Medicinische Chemie in Anwendung auf gerichtliche, sanitätspolizeiliche und hygienische Untersuchungen sowie auf Prüfung der Arzneipräparate : Ein Handbuch ... / von Dr. Ernst Ludwig.
- Ludwig, Ernst, 1842-1915.
- Date:
- 1885
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Credit: Medicinische Chemie in Anwendung auf gerichtliche, sanitätspolizeiliche und hygienische Untersuchungen sowie auf Prüfung der Arzneipräparate : Ein Handbuch ... / von Dr. Ernst Ludwig. Source: Wellcome Collection.
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![Vorprüfung] :', Fig. 1. Für unsere Zwecke, d. h. im Hinblicke auf jene Körper, denen wir unser Interesse zuwenden wollen, genügt es vollständig, die Vorprüfung- etwa in der folgenden Weise vorzunehmen : Feste Körper, wenn dieselben nicht schon pulverförmig sind, werden vor Allem, je nach ihrer Härte, entweder in einer Achatschale oder in einer Porcellanreibschale zu feinem Pulver zerrieben. Hierauf wird das Verhalten in der Hitze geprüft; zu diesem Zwecke bringt man eine ganz kleine Quan- tität des gepulverten Körpers (etwa 0-05—OL Grm.) in ein kleines, aus einer Glasröhre gefertigtes „Kölb- chen von der in Fig. 1 abgebildeten Form, erhitzt mit der Flamme einer Weingeistlampe oder eines Bunsen'schen Gasbrenners und beobachtet die dabei auftretenden Erscheinungen: /. Die Substanz bräunt und schwärzt sich (verkohlt) in dem Kölbchen, gleichzeitig entstehen Dämpfe, welche sich in dem Halse des Kölbchens zu braunen Tropfen (theerartige, brenzliche Destillationsproducte) verdichten. In diesem Falle ist eine organische Substanz zugegen ; die Schwärzung rührt von Kohle her, welche sich bei der Zersetzung in der Hitze abscheidet und in Folge mangelhaften Luftzutrittes nicht verbrennen kann. Hat man im Kölbchen Verkohlung beobachtet, so ist sofort ein zweiter Versuch anzustellen, bei welchem die Sub- stanz so erhitzt wird, dass ungehinderter Luftzutritt stattfinden kann ; als Unterlage für den zu erhitzenden Körper wählt man diesmal ein dünnes Porcellanplättchen, einen niederen Porcellantiegel oder ein Platinblech.2) Ist das Unter- suchungsobject eine rein organische Substanz, wie z. B. Wein- säure, Zucker, Morphin u. s. w., so wird am x4rifange der Erhitzung Verkohlung eintreten, die abgeschiedene Kohle wird aber bei fortgesetztem Erhitzen in Folge des reichlichen Luft- zutrittes verbrennen und es wird somit kein Rückstand bleiben, wenn genügend lang geglüht wurde. War dagegen das Untersuchungsobject die Verbindung einer organischen Substanz mit einem Metall, das bei diesem Versuche sich nicht verflüchtigt, also z. B. das Salz einer organischen Säure, etwa weinsaures Kalium oder milchsaures Eisen, so wird beim Erhitzen unter Luftzutritt anfangs Verkohlung eintreten, die ausgeschiedene Kohle wird allmälig verbrennen, aber wenn diese auch vollständig verbrannt ist, bleibt ein Rückstand (Asche genannt), welcher das Oxyd oder Carbonat des betreffenden Metalles ist; so wird das milchsaure Eisen beim Glühen an der Luft Eisenoxyd, das wein- v) Als Porcellanplättchen eignen sich, für diese Probe am besten die dünnen, henkellosen Deckel der Porcellantiegel. Das Platinblech ist hier mit Vorsicht anzuwenden, da es bei Anwesenheit eines mit dem Platin sich legirenden Metalles, wie z. B. Blei, durchlöchert wird. 1*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21015107_0019.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


