Licence: Public Domain Mark
Credit: Analyse des Willens / von Narziss Ach. Source: Wellcome Collection.
201/476 page 189
![schließen. Denn dadurch, daß ich sage, dies ist eine ,,Empfindung”, welche durch Beizeinwirkung auf das Auge und sich ausschließende Vorgänge im zentralen Nervensystem in mir als Erlebnis ausgelöst wird, wird wohl etwas über die Entstehung dieser ,,Empfindung” ausgesagt, aber nichts über die Qualität der Empfindung als solche. Diese Qualität in ihrer besonderen Eigenart ist ,,unerklärbar”. Unser Kausalbedürfnis sucht aber nach einer Erklärung, und so hatte die herkömmliche Psychologie zunächst das Bestreben, den Tatbestand der Determination zu den ihr geläufigen Begriffen der Assoziation, der Perseveration und der Aufmerksamkeit in einen widerspruchslosen Zusammenhang zu bringen und so die unter den Begriff der Determination fallenden Erscheinungen von ihrem Standpunkte aus zu ,,erklären”. Auf die verschiedenen Ver¬ suche, die nach dieser Dichtung gemacht wurden, kann im einzelnen hier nicht eingegangen werden1). Hinsichtlich einiger Erklärungsversuche sei vielmehr auf die Gegenäußerungen von 0. Selz verwiesen in ,,Über die Gesetze des geordneten Denkverlaufes” 19132), S. 281 ff., sowie ,,Komplex¬ theorie und Konstellationstheorie” (Zeitsehr. Psychol. Bd. 83 [1920]), wo insbesondere die Auffassungen von G. E. Müller und H. Henning kritisch behandelt werden. Bei seinen Darlegungen bringt 0. Selz auch meine eigene Lehre von den dteerminierenden Tendenzen in nahe Beziehung zur „Konstellations¬ theorie, insbesondere in der ersterwähnten Arbeit (S. 2 ff.). Ich bedauere dies deshalb, weil Selz im übrigen die Lehre von der Determination über¬ nommen und in seinem Buche „Zur Psychologie des produktiven Denkens und des Irrtums” (1922)3) vor allem für das Gebiet der intellektuellen Vorgänge näher ausgebaut hat. Den Begriff der Konstellation kann man verschieden definieren. Wenn man ihn auffaßt als die Gesamtheit derjenigen Faktoren, welche in einem bestimmten Zeitpunkt den Ablauf der seelischen Vorgänge beherrschen, dann schließt die Konstellation selbstverständlich auch die determinative Wirkung ein. So faßte ich stets diesen Begriff auf, und der¬ jenige, der die Tatbestände der Determination anerkennt, würde sich gegen sich selbst wenden, wenn er einen solchen natürlichen Begriff der Konstellation bekämpfen würde. O. Selz hat den Konstellationsbegriff in dem engen Sinne verwendet, wie er z. B. von Wahle und Ziehen benutzt wurde. Nach ihm hat man uijter Konstellation „den jeweiligen psychischen Gesamtzustand zu ver¬ stehen, soweit er durch die Gesamtheit der augenblicklich wirksamen Kepr o- duktionstendenzen und ihre gegenseitige Förderung und Hemmung bedingt ist” 4). Mit diesem engen Begriff der Konstellation hat aber die Lehre von der Determination nichts zu tun, auch nicht „annäherungsweise”. Das b Hervorheben möchte ich nur, daß alle Versuche, die determinative Wirkung unter Heranziehung des Begriffes der Perseveration zu er¬ klären, daran scheitern müssen, daß die beiden Begriffen zugrunde liegenden Tatbestände toto genere voneinander verschieden sind. Während z. B. im Zu¬ stande der E r m ü d u n g die perseverativen Wirkungen steigen, nehmen die determinativen ab. Das gleiche gilt auch für den Zustand der affektiven Erregung [vgl. hierzu auch meine näheren Darlegungen in „Beiträge zur Lehre von der Perseveration”. Erg.-Bd. 12 der Zeitschr. Psychol. S. 202ff. (1926)]. 2) Im folgenden abgekürzt als „Selz I”. 3) Im folgenden abgekürzt als „Selz II”. 4) Selz I, S. 2.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29813852_0201.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image