Licence: Public Domain Mark
Credit: Analyse des Willens / von Narziss Ach. Source: Wellcome Collection.
207/476 page 195
![ihre Wirkung noch entfalten können. Auch bei der Selzschen Komplextheorie ist es, ebenso wie bei allen übrigen Erklärungs¬ versuchen der Determination, letzten Endes so, daß das, was eigentlich zu erklären ist, nämlich der Ablauf des Geschehens i m Sinne der Vornahme, in die zur Erklärung benutzten Voraus¬ setzungen bereits hineingelegt wird. Hier geschieht es im wesent¬ lichen durch den Begriff des antizipierten Komplexes bzw. der K o mplexdisp o sit io n. Die Unmöglichkeit, an Hand der uns in der theoretischen Psychologie bisher zur Verfügung stehenden Tatbestände eine zu¬ reichende Erklärung der Eigenart der determinativen Wirkung geben zu können, hat mich verhindert, eine Theorie der Deter¬ mination aufzustellen. Ich beschränkte mich auf die Festlegung der hier waltenden Gesetzmäßigkeiten, obwohl andrerseits für die rasche Aufnahme neuer Erkenntnisse in der Wissenschaft gerade die Möglichkeit ihrer theoretischen Begründung sehr wichtig ist. Zweifellos ist hier ein die Grundprinzipien des Seelischen, das Sinn¬ hafte seiner Gestaltung treffender Tatbestand am Werk. Ein solches Grundprinzip liegt in dem Produktions prinzip des Seelischen vor. Dieses Prinzip besagt, daß, wenn zwei nichtidentische psychische Tatbestände als identisch, d. h. als eine Fusionseinheit, als eine Verschmelzungseinheit aufgefaßt werden, ein neuer seelischer Faktor produziert wird. ,,Dieser Faktor bildet zugleich einen adäquaten Ausgleich, eine sinnhafte Kompensation dafür, daß etwas an sich Mchtidentisches als ein und dasselbe, als identisch auf gef aßt wird. Durch diesen neuen Tatbestand erhält also die Fusionseinheit zugleich einen Sinn, eine Bedeutung. Das Kompensationsprinzip ist demnach zugleich produktiv und sinnverleihend”1). Die Anwendung dieses Produktions¬ prinzips auf den Tatbestand der Determination im einzelnen aus¬ einanderzusetzen, überschreitet jedoch den Bahmen der vorliegen¬ den Arbeit. Ich begnüge mich deshalb mit diesem Hinweis auf die Möglichkeit einer Erklärung der Eigenart der determinativen Wirkung an Hand des Produktionsprinzips des Seelischen und des in ihm enthaltenen dynamischenFaktors der Fusion bzw. der Disposition zur Fusion. [Vgl. hierzu auch meine Abhandlung ,,Finale Qualität (Gefügigkeitsqualität) und Objektion”. Arch. ges. Psychol., Erg.-Bd. 2, S. 338 f (1932) sowie die vorliegende Arbeit § 21, wo auch noch auf den zweiten dynamischen Faktor, die Disposition zur Schisis, hingewiesen ist, besonders S 319 ff.] 1) Vgl. meinen Vortrag auf dem XII. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Hamburg 1931. Bericht herausgegeben von G. Kafka. Jena 1932. 13*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29813852_0207.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image