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Credit: Analyse des Willens / von Narziss Ach. Source: Wellcome Collection.
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![zur Vornahme einer Handlung, sondern stellt schon einen Reali¬ sierungsakt dar; sie gehört nicht zum Willensakt, sondern zur Willenshandlung” 1). Ich brauche bloß auf die einleitenden Aus¬ führungen des vorigen § 12 hinzuweisen, wo ich nähere Darlegungen über den Sinn des energischen Willensaktes gegeben habe, so daß ich mich kurz fassen kann. Die Ausführungen von Selz, besonders der letzte Satz sind richtig, aber die Schlußfolgerungen, die er aus seinen Prämissen gezogen hat, sind falsch, was damit Zusammen¬ hängen mag, daß man in damaliger Zeit noch ganz am Anfänge der exakten Willensuntersuchung und infolgedessen auch der Begriffsbestimmung des Willensaktes gestanden hat. Der Willens¬ akt gehört als Glied in die Reihe der Gesamthandlung und ist nur von dieser Einreihung in den Gesamtprozeß, von der Ganzheit und Einheitlichkeit des Tuns aus zu verstehen, also von der Bereit¬ schaft der Vp. beginnend, die von ihr geforderten Aufgaben zur Durchführung zu bringen. Er ist als ein Glied in der Reihe der darauf folgenden Einzelhandlungen determiniert, und zwar als ein besonderes Mittel, nämlich um Schwierigkeiten zu überwinden, die sich gegebenenfalls bei einzelnen Handlungen zeigen. Zunächst pflegt die Vp. die Schwierigkeit bei der Ausführung der gestellten und von ihr übernommenen Aufgabe zu unterschätzen. Darauf stellen sich falsche Handlungen (FR.) ein, und auf Grund des so erworbenen Wissens und in Nachwirkung der latenten Deter¬ mination, richtig zu handeln, wird dann in der Vorperiode des nächsten Versuches mit dem besonderen Vorsatz, z. B. einen Reim zu bilden, der energische Willensakt erlebt, kann also in der sich weiterhin anschließenden Zeit (Nachperiode) in bester Form der Selbstbeobachtung zugänglich gemacht werden. So ist der Vorgang des Gesamtverlaufes, und hieran ändern irgendwelche hypothetische oder theoretische Einwände nicht das geringste. Es ist mir z. B. nie eingefallen, mit Hilfe des kombinierten Ver¬ fahrens einen Entschluß im Sinne der Selbstbestimmung zur Vor¬ nahme einer Handlung untersuchen zu wollen, und ich hatte auch ausdrücklich hervorgehoben, daß es nicht in das Gebiet der da¬ maligen Untersuchung gehöre, die Art der Motivation des Willens¬ aktes zu untersuchen. Dazu gehören ganz andere Methoden. Sie wurden in der Zwischenzeit ausgebildet, und wir werden sie im VII. Kapitel noch kennenlernen (insbesondere § 29). An anderer Stelle hat Selz auch auf die Untersuchungen von Michotte und Prüm Bezug genommen2) und unter anderem die b a. a. 0. S. 250. In einer Erwiderung bin ich bereits auf die Einwände von Selz eingegangen [vgl. ,,Willensakt und Temperament, eine Widerlegung.” Zeitsclir. Psycliol. 58. 263 ff. (1910)]. Ferner N. Ach: Über den Willensakt, eine Replik. Unters. Psycliol. u. Pliil. X. H. 4 (1911). 2) Vgl. auch unsere späteren Ausführungen im § 27.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29813852_0217.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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