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Credit: Analyse des Willens / von Narziss Ach. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![wenden. Denn sonst sind ihre Angaben in phänomenologischer Be¬ ziehung nur wenig verwertbar. Den bei psychologisch ungeschulten Ypn. nicht selten auf tretenden terminologischen Schwierigkeiten kann der geübte VI. verhältnismäßig leicht begegnen, besonders wenn mit einfachen Untersuchungen begonnen wird und außerdem das kontrastierende Verfahren Verwendung findet1). Eine weitere Maßnahme zur Kontrolle der Selbstbeobach¬ tungen ist die von G. JE. Müller empfohlene ausgiebige zeit¬ liche Distanzierung der Versuche2). Ihr ent¬ sprechend sollen Versuche von bestimmter Art über eine Anzahl durch relativ lange Zeiträume voneinander getrennte Versuchs¬ tage oder Gruppen von Versuchstagen verteilt werden. Durch eine derartige Verteilung der Versuche wird vor allem verhindert, daß gewisse Verhaltungsweisen der Vp., auch solche, die sich auf die Protokollangaben beziehen, habituell werden. Auch erhält so der VI. einen besseren Einblick in die Mannigfaltigkeit der inneren Verhaltungsweise einer Vp., die bei Anhäufung der Versuche auf eine relativ kurze Zeit infolge der Wirksamkeit der Perseverations¬ tendenzen eine Beeinträchtigung erfahren kann. Daß endlich auch die Beobachtung d e s ä u ß e r e n V e r li a 11 e n s d e r V p. durch den Versuchsleiter in mannig¬ facher Beziehung als ein Kontrollmittel der Angaben der Selbst¬ beobachtung Verwendung finden kann und muß, ist hinreichend bekannt3). Der Feststellung mimischer und pantomimischer Aus¬ drucksbewegungen kommt gerade bei Willensuntersuchungen eine erhebliche Bedeutung zu, sie ist allerdings eine durch den VI. allein kaum zu bewältigende Aufgabe, weshalb auch gerade diese Seite der Willensuntersuchung noch wenig in Angriff genommen ist. Erst wenn es gelingt, durch eine entsprechende Apparatur die Ausdrucksbewegungen der Vp. oder wenigstens die wichtigsten derselben objektiv zu registrieren, werden wir solche Feststellungen mit zur Kontrolle von Angaben über innere Verhaltungsweisen heranziehen können, und durch solche objektive Bestimmungen auch sonstige wichtige Auskünfte über den Ablauf der psychischen Prozesse erhalten können. Ob es zweckmäßig ist, bei solchen Ver¬ suchen gleichzeitig auch sonstige Ausdrucksmethoden, z. B. zur Bestimmung der Atmungs-, Puls- und Volumkurven, heranzuziehen, erscheint sehr zweifelhaft. Denn einerseits belästigen sie die Vp. 1) Zur Frage der „geübten” bzw. psychologisch vorgebildeten Vp. vgl. auch A. Messer (a. a. 0. S. 21), ferner A. Eraiidtl (a. a. 0. S. 92 ff.), sowie unsere früheren Ausführungen (S. 18 und 19 Anmerkung, S. 52, 55 [58 Anmerkung 2], 64 Anmerkung). 2) G. E. Müller I, S. 169 f. 3) Vgl. W. u. D. S. 23; G. E. Müller I, S. 174.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29813852_0088.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)