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Credit: Ueber die Commotio cerebri / von Hermann Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![3] getroffenen Stelle, bald an mehreren, oft an der, der getroffenen Stelle gegenüberliegenden Seite sich zeigten. Nelaton schilderte dieselben nach Sanson’s und seinen eigenen Befunden genauer als kleine Blut- extravasate von der Grösse eines feinen Nadelknopfes. Er fügte aber gleich hinzu, dass diese kleinen capillären Apoplexieen kein constanter Befund bei derartigen Patienten seien. In zwei Fällen von tödtlicher Gehirnerschütterung, die ich frisch zu seciren Gelegenheit hatte, fand sich nichts weiter im Gehirn als arterielle Anämie und venöse Blutfülle. Besonders waren die grossen Sinus strotzend mit Blut gefüllt. Aus den kleinen Venen des Gehirns konnte man lange Gerinnsel extrahiren. Die Gehirnmasse selbst fanden wir vollständig inlact. Auch andere Autoren berichten von ähnlichen Befunden. Bruns z. B. erwähnt, dass er die grossen venösen Gefasse des Gehirns besonders an seiner Oberfläche mit Blut überfüllt und ausgedehnt gefunden habe. Littre und Sabatier wollten beobachtet haben, dass das Gehirn bei solchen Patienten in sich zusammengesunken sei und die Schädelhöhle nicht vollständig ausfülle. Es ist indessen leicht einzusehen, dass dieses angebliche Zusaiiimensinken des Gehirns mit Verdichtung seiner Masse anatomisch nicht nachweisbar und physikalisch unmöglich ist. Sie werden mich nun wohl fragen, meine Herren, was ist denn das für ein sonderbares Krankheitsbild, welches heute durch die schwersten Symptome den Patienten bedroht und morgen vollständig verklungen ist, und wie lassen .sich die furchtbaren Symptome aus dem geringen anato- mischen Befunde erklären? Man hat, wie ich Ihnen bereits sagte, diese eigeuthümliche Symptomengruppe, die uns der Patient darbietet, mit dem Namen Commotio eerebri (Gehirnerschütterung) zusammengefasst, tveil man glaubte, dass dieser eigentümliche Cerebralzustand durch die Theil- nahme des Gehirns an direct erzeugten, oder von entfernten Stellen des Skeletes fortgeleiteten Schwingungen der Schädelhöhlenwände hervorge- rufen wird. Sie werden leicht einsehen, meine Herren, dass mit diesem Namen nichts zur Deutung des feineren Werdens und Wesens des Com- motionszustandes des Gehirns gesagt ist; denn es wird ja dabei Vorgang und Wirkung mit demselben dunklen Worte bezeichnet. Wollen wir nun in das Wesen der Commotio eerebri näher eindringen, so stehen uns dazu verschiedene Wege offen, welche nicht alle gleich einladend und lohnend sind. Die älteren Forscher haben sich in Ermangelung eines sicheren anatomischen Befundes an die mechanischen Verhältnisse der Conimotion gehalten und angenommen, dass durch die Erschütterung moleculäre Verschiebungen und Verätiderungen der Gehirnelemente erzeugt würden, welche so fein wären, dass sie sich unseren zur Zeit immer- hin noch groben tJntersucliungsmethoden gänzlich entzögen. 11*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24763408_0005.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


