Licence: Public Domain Mark
Credit: Ueber die Commotio cerebri / von Hermann Fischer. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by King’s College London. The original may be consulted at King’s College London.
5/20 page 123
![5] Experimente haben uns zwar gezeigt, dass auch blutfreie Frösche auf dem Wege der Diffusion langsam ehloroformirt werden, dass also dies Gift direct auf die Ganglienzellen einwirken müsse. Wir wissen indessen von dem organischen Vorgänge bei der Wirkung der Änaesthetica bei warmblütigen Thieren noch so wenig, dass es sehr gewagt sein würde, alle Schlüsse aus den Experimenten an kaltblütigen Thieren, besonders im Gebiete des Nervensystems auf die Menschen zu übertragen. Ausserdem sprechen einige klinische Beobachtungen direct gegen eine unmittelbare Einwirkung des Chloroforms auf die Ganglienzellen. Im nordamerikanischen Kriege beobachtete Carter eine Schädelfractur, bei welcher das Gehirn sichtbar war. Er konnte nun genau verfolgen, dass dasselbe während der Chloro- formnarcose auffallend blass und erst mit nachlassender Narcose wieder blutreicher wurde. Aehnliches fand Durham bei seinen Experimenten an warmblütigen Thieren. Es scheint somit, wenn auch die Frage noch wenig spruchreif ist, doch zur Hervorbringuug des Coma durch Chloroform eine wesentliche Vermittlung durch das Blut nöthig zu sein. Endlich muss man noch gegen die eben ausgeführte Anschauung über das Wesen der Commotio cerebri anführen, dass es durch die Experi- mente von klquie fraglich geworden ist, ob überhaupt das Gehirn bei Erschütterungen des Schädeldaches wesentliche Commotionen erfährt. Gama hatte gefunden, dass die Percussion eines Glases, welches mit Ichthyocolla von der gewöhnlichen Hirnconsistenz und mit kleinen, in der Masse suspendirten farbigen Fadenstückchen gefüllt war, Bewegungen dieser Fadenstückchen in der Leimmasse hervorbrachte. In dieser Weise dachte er sich die Erschütterung der Ganglienzellen bei der Commotio cerebri. Alquie fand nun aber bei der Wiederholung dieses Versuches mit verschiedenen Flüssigkeiten, auch mit Leimmassen, welche alle in der Consistenz mit der Hirnsubstanz übereinstimmten, dass den darin suspendir- ten Theilchen, welche durch die Wandung des Glases mit einer Lupe beob- achtet wurden, absolut keine Bewegungen mitgetheilt werden, wenn das Glas vollständig mit der Flüssigkeit gefüllt war; nur wenn dies Letztere nicht der Fall war, so erhob sich auf der Oberfläche die Flüssigkeitssäule im Ganzen. Dasselbe Resultat ergaben Versuche mit Schädeln, welche Alquie bald mit feinem Sand füllte, bald mit ihrem gewöhnlichen Inhalt unter- suchte. Bei Erschütterungen durch Ilammerschläge erhob sich die Fläche des Gehirnes in der Trepanationsöffnung im Ganzen und sank im Ganzen wieder zurück, ohne Oscillationen oder Vibrationen wahrnehmen zu lassen. Sogar eine in das Gehirn eingesenkte Nadel mit einem Papierstückchen am oberen Ende zeigte durchaus keine vibrirende Bewegung bei derartigen Eingriffen. Da die Bedingungen für solche Bewegungen an dem mit Weichtheilen reich bedeckten Schädel und bei geschlossener Schädelhöhle noch ungünstiger sind als in den Experimenten, so glaubt Alquie die Existenz mächtiger Vibrationen und Oscillationen der Gehirnsubstanz bei](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24763408_0007.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


