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Credit: Geschichte der Augenheilkunde. Source: Wellcome Collection.
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![Kapselwand, dagegen beobachtete er bei bedeutenderen Verwundungen der Kapsel Trübung dieser, während die Linse durchsichtig blieb. Starke Erschüt- terungen, sobald damit Zerreissung des Linsengewebes und der Kapsel verbun- den war, hatte stets Linsentrübung zur Folge. Schliesslich überzeugte sich Wbaneck in einigen Fällen davon, dass sowohl die Linse als auch die Kapsel sich entzünden und ebenso wie die Cornea vollständig vereitern können.'). — Die auf die Begründung der Katarakt-Genese hingerichteten pathologisch-anato- mischen Untersuchungen betrafen vorzugsweise die Cataracta congenita. — Beck2] zog aus seinen, auf Veranlassung von Ammon angestellten Untersuchungen über angeborenen Kernstaar den Schluss, dass derselbe nicht die Folge einer Entzündung sei, sondern auf Circulationsstörungen in der Arteria centralis beruhe; exactere Nachweise hierüber brachte dann Ammon selbst bei3), welcher zunächst den Irrthum Walther's, Werneck's u. A. berichtigte, dass die Linse im Anfange des Fötallebens undurchsichtig sei und sich erst später aufhelle, zeigte, dass die in Folge der Obliteration der Arteria central, auftretende Trübung enty weder die Linse oder die Kapsel beträfe und der Process sich dann unter Um- ständen secundär von dem einen Gewebe auf das andere weiter verbreite, und die erste Schilderung des bereits von Werneck4) angedeuteten Schichtstaars5), sowie die erste Beschreibung der Cataracta fusiformis gegeben hat. Auch ver- dienen hier die Untersuchungen von Beck6) über die Bildung der Catar. capsular. centr. anter. (Catar. pyramidalis) in Folge von Ophthalmia neonatorum angeführt zu werden, über welche später Arlt) interessante Mittheilungen gemacht hat. Auf Grund aller dieser und ähnlicher Untersuchungen und einer nüchterne- ren Beobachtung, vor allem geläuterter Anschauungen über den anatomischen Bau und die physiologischen Functionen der einzelnen Theile des Linsensystems trat gegen Anfang des 5. Decenniums ein Umschwung in den Anschauungen über die Katarakt-Genese ein und zwar muss als die erste, man darf wohl sagen, bahnbrechende Leistung auf diesem Gebiete die Arbeit von Pauli b) genannt wer- den. — Unter der Bezeichnung »Katarakt«, sagte Pauli, hat man drei durchaus \ erschiedenartige Krankheiten der Linsenkapsel zusammengefasst, das Phako- sklerom, die Phakomalacie und Phakohydropsie. Das Phakoskleroma besteht in einer Eintrocknung, Verhärtung und Schrumpfung des Krystalls, ist die Folge 1) So dankenswerth ajle diese Untersuchungen waren, so wenig waren sie geeignet, sichere Schlüsse über die Folgen von Verletzung des Linsensystems bei Menschen zu geben, da die Erfahrung gelehrt hat, dass bei diesen eine Verletzung der vorderen Kapselwand fast constant Totalkatarakt hervorruft; der Grund dieser Differenz zwischen Verletzungen der Linsenkapsel bei Menschen und Thieren muss ohne Zweifel darin gesucht werden, dass die wässrige Feuchtigkeit, vor deren Einwirkung die Linse durch die unverletzte Kapsel geschützt ist, bei Thieren eine weniger schädliche Wirkung auf den mit ihr in Berührung gebrachten Krystall äussert, als bei Menschen. i) De Cataracta centrali commentatio. Lips. 1830. 3] Gräfe und Walther's Journ. 1828, XL S. 173, Amnions Zeitschrift 1832, II. S. 485, 1833, III. S. 70. 4 Clarus und Radius' wüchentl. Beitr. zur Klinik 1883, II. No. 23. S. 362. 5) Klin. Darstellungen III. Tal'. XIV. 6 Amnion's Monatsschrift 1838, LS. 1. 7; Oester. med. Wochenschr. 1845, No. 10, II. 8) Leber den grauen Staar und die Verkrümmungen und eine neue Heilart dieser Krank- heiten. Stuttg. 1838.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2101999x_0278.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)