Licence: Public Domain Mark
Credit: Geschichte der Augenheilkunde. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University.
280/336 (page 502)
![Gegen diese allen bisherigen Anschauungen vollkommen widersprechende Behauptungen glaubte Sichel entschieden protestiren zu müssen; er erklärte1 dass Malgaigne vor Allem zu so allgemeinen Schlüssen um so weniger berechtig' gewesen sei, als es sich in allen von ihm untersuchten Füllen um Greisenstaai gehandelt habe, bei welchem Kapseltrübungen überhaupt sehr selten angetroffen werden, dass die Existenz von Kapselstaar, wenn allerdings auch viel seltner als Linsenstaar, doch durch klinische Beobachtungen und anatomische Untersuchun- gen ausser allem Zweifel gestellt sei und dass derselbe zumeist einem entzünd- lichen Processe seine Entstehung verdanke. Malgaigne 2 antwortete hierauf in sehr bescheidener Weise, er hätte nur das geschildert, was er selbst gesehen habe, aus Nachforschungen in den von früheren Beobachtern gemachten Mitthei- lungen habe er sich vergeblich zu informiren gesucht, und er stelle anheim. in- wiefern weitere Untersuchungen die Besultate seiner Forschungen bestätigen würden oder nicht. — Diese Polemik, an der sich auch Leroy d'Etiolles GcSpin4] u. A., und zwar gegen Malgaigne, betheiligten, machte nicht geringes Aufsehen, und man darf wohl sagen, dass gerade diese Debatten für die Folge von der entschiedensten Bedeutung wurden, indem sie zur exaeten anatomischen Forschung anregten und zwar wesentlich gefördert durch die Preisfrage, welche von der Redaction der Annales d'oeulistique, den Sitz und die Natur der Katarakt betreffend, gestellt worden war. — Unter den drei Arbeiten von Döring , Dutal und Stricker, welche als Antwort auf diese Frage einliefen . nimmt die, auch in der That preisgekrönte, von Döring5] die erste Stelle ein. Auf eigene, und zwar sehr gründliche anatomische Untersuchungen gestützt, weist er zunächst, gegei Malgaigne, das Vorkommen von Kapselstaar nach, von dem er selbst in Wien unter 21 I Fällen von Katarakt 35 beobachtet hat; er zeigt, dass der vordere Küpselstaar sowohl angeboren, wie in Folge von Entzündung (besonders nach Traumen) vorkommt und erinnert dabei namentlich an die ohne Linsentrübung vorkommenden pigmentirten Staare, wiewohl er zugiebt, dass reine Kapselstaare selten sind, dass sich denselben gewöhnlich, den hinteren Kapselstaaren sogar fast constant, Linsentrübung anschliesst. In der Darstellung der Linsenkatarakt folgt er wesentlich Pauli, indem er zwei Formen als Verhärtung und Erweichung des Krystalls unterscheidet, die flüssigen Staare (die Phakohydropsie Pauli's) nur als Erweichung im höheren Grade angesehen wissen will. Auch Duval 6] sprach sich in seiner weniger bedeutenden Arbeit gegen Malgaigne aus7) und ebenso 1) Revue ophthalmol. de la litter. med. des annöes 1S40 et 1S41 , als Anhang zu Anna!, d'oeulist. 1841, p. 127. B] Annal. d'oeulist. 1842 Novbr.. p. 107. 3) ib. 1841 Novbr., p. 64. 4) ib. 1842 Febr. 5) ib. 1842 Octbr.—Dcbr., 1843 Jan.—Mars, deutsch: lieber den Sitz und die Natur des grauen Staars. Heilbronn 1844. 6 Annal. d'oeulist. 1843 Mai. 7) Malgaigne hatte nicht ganz Unrecht, insofern er richtig erkannt hatte, dass vieles von dem, was man bis dahin als Kapselstaar bezeichnet hatte, nichts anderes als Cortical- Linsenstaar war; es geht dies schon daraus hervor, dass er nicht nur den sogenannten Mor- gagni'sehen Staar, sondern selbst die Existenz des Liquor Morgagni in Frage stellte, worin ihm übrigens schon Travers voraufgegangen war, der (in Synopsis. Lond. 4834, p. 213, er- klärt hatte: »the cataract from opacity of the humour Morgagni is. in my belief, purely hy- pothetical.«](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2101999x_0280.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)