Licence: Public Domain Mark
Credit: Geschichte der Augenheilkunde. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University.
281/336 (page 503)
![Stricker1), der sich ebenfalls wesentlich auf Pauli stützt, die Frage übrigens weniger vom anatomischen, als vom physiologischen Standpunkte, d. h. a priori behandelt hat. — Im Zusammenhange mit diesen Arbeiten und als Antwort auf eine ebenfalls von der Redaction der Annal. d'oculist. gestellte^ Preisfrage, die secundäre Kapselkatarakt betreffend, erschien eben damals eine Schrift von Düsing2), in welcher der Verf. die Frage nach der primären Kataraktbildung auf speculativem Wege vom chemischen Standpunkte zu lösen versucht hat; in einer ahnlichen, wiewohl viel exacteren Weise hat später Frerichs 3) die Frage nach dem Einflüsse der Nutritionsflüssigkeit auf die Kataraktbildung behandelt und dabei namentlich auf den im Verlaufe von Diabetes auftretenden grauen Slaar hingewiesen. § I 15. Mit dem hier kurz angedeuteten Entwicklungsgänge, den die Lehre von der Genese und Natur der Katarakt nahm, trat dann auch allmälig ein Um- schwung in den symptomatologischen Anschauungen ein: man führte die enorme Zahl der verschiedenen, zum grossen Theil nach rein äusserlichen und unwesent- lichen Charakteren bestimmten, Formen von Staar, von welchen Velpeau nicht weniger als einige 60 aufzählte, auf ein richtiges Maass zurück, die Diagnose der einzelnen, wesentlich differenten Kataraktformen, die übrigens schon zum grossen Theil von Beer meisterhaft geschildert worden waren, gewann an Sicherheit, und mit dem Aufgeben der psorischen, scrophulösen, miasmatischen u. a. Dyskrasien trat eine Ernüchterung in der Lehre von den Ursachen der Katarakt ein, das Gebiet der »specifischen« Staare wurde immer kleiner und zu- letzt blieb nur noch eine Kataraktform übrig, welche man unbedenklich mit einem constitutionellen Leiden in Verbindung zu bringen berechtigt war, die diabetische Katarakt, über welche die ersten Mittheilungen von deutschen Aerzten, von Jahn4), Berndt5), Unger6) und Benedict7) vorliegen. — Schliesslich sei noch erwähnt, dass die ersten gründlichen Untersuchungen über Nachstaar von Beers), vorzugsweise aber von J. A. Schmidt9) datiren. § 116. So lange die Augenärzte an der Ueberzeugung festhielten, dass Katarakt unter Umständen dyskrasischen (metastatischen) Ursprungs sei, oder sich aus entzündlichen Processen des Linsensystems (resp. der Kapsel) entwickele, waren die Versuche, durch eine geeignete specifische, ableitende oder antiphlo- gistische Behandlung; die Krankheit zu heilen oder ihrer vollen Entwickelune vorzubeugen, vollkommen gerechtfertigt, und man hatte um. so mehr Grund, 1 Die Krankheiten des Linsensystems nach physiologischen Grundsätzen. Frankfurt a|M. 1845. 2) Das Krystalllinsensystem des menschlichen Auges in physiologischer und patholog. Hinsicht. Berlin 1844. 3) Hannov. Annal. für die ges. Hlkde. 1S43, N. F. V. S. 653. 4) Casper's Wochenschr. für die ges. Hlkde. 1834, No. 16, S. 254. ä Klinische Mittheilungen. 2. Heft. Greifswald 1834, S. 96. 6) Observationes clinicae. Fase. \. Zwicc. 1835 (nach Himly II. S.244, Anm. 3, citirt). 7) Abhandl. aus dem Geb. d. Augenhlkde. Bresl. 1842, I. S. 38. 8) Salzb. med.-chir. Ztg. 1799, Beil. zu No. 5, I. S. 81 und Lehre etc. II. S. 403. 9] Abhandl. der Josephs-Akad. Wien 1801, II. S. 209.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2101999x_0281.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)