Die Chirurgie des Heinrich von Mondeville (Hermondaville) : nach Berliner, Erfurter und Pariser Codices / zum ersten Male herausgegeben von Julius Leopold Pagel.
- Mondeville, Henri de, active 14th century.
- Date:
- 1892
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Credit: Die Chirurgie des Heinrich von Mondeville (Hermondaville) : nach Berliner, Erfurter und Pariser Codices / zum ersten Male herausgegeben von Julius Leopold Pagel. Source: Wellcome Collection.
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![seines längst gehegten Planes gehen. Die Fertigstellung der ersten beiden Bücher verzögerte sich bis 1312. Dann musste er, wie man aus dem Prohoe- mium zum 3. Tractat ersieht, dem Bruder seiners Gönners Charles de Va- lois als Armeechirurg nach Arras und England folgen und konnte an die Fortsetzung seines Werks erst, nachdem er auf besonderen Wunsch von der genannten Mission befreit und nach Paris zurückgekehrt war, herangehen. Jedoch verhinderte ihn seine mittlerweile zum Ausbruch gekommene schwere Erkrankung der Respirationsorgane, vielleicht Phthisis oder Asthma, mehr von dem Werk zu liefern als die 1. und 2. Doctrin des 3. Tractats, ein Inhalts- verzeichnis der beabsichtigten, aber nicht zu Stande gekommenen 3. Doctrin und auf besonderes Drängen seiner Freunde und Schüler, denen jedenfalls am meisten an der Kenntniss der verschiedenen Salben und Pflästerchen gelegen war, noch dem Antidotarius. Die Unvollständigkeit der literarischen Hinterlassenschaft mag also vielleicht der eine Grund sein, warum s. Z. eine Drucklegung derM.’schen Chirurgie nicht erfolgt ist. Ein anderer möglicher- weise zutreffenderer Grund wäre vielleicht noch in der Form und Darstellung des, wie man aus Vorstehendem ersieht, nicht aus einem Guss concipirten Inhaltes zu suchen. Entschieden leidet Mondeville’s Schrift an einer ge- wissen Weitschweifigkeit nicht bloss in der Anlage, sondern auch in der Aus- führung. Wiederholungen kommen in Menge vor. Ueberdies verfehlt M. im Gegensatz zu den meisten der übrigen chirurgischen Schriftsteller des dama- ligen Zeitalters fast nie, wo es irgendwie angeht, seine Quellen zu nennen; daher auch eine gewisse Ueberladenheit mit Cilaten unzweifelhaft hervortritt. Dies ist aber vom Autor direct intendirt, da er, wie er selbst in seinen ,,No- tabilia introductoria“ betont, zunächst nur für Schüler, Anfänger, auch weniger und mittelmässig Begabte, zu schreiben beabsichtigte, denen man, wie er meint, die gegebenen Lehren doppelt und dreifach wiederholen, sozu- sagen vorkauen und mit Citaten aus älteren Autoren gründlich und deutlich belegen müsse, da man die Mühe und Fähigkeit des eigenen, damals noch sehr schwierigen Quellenstudiums Anfängern weder zumuthen noch Zutrauen könne. [Notandum quod reprehenderunt me aliqui famosi cyrurgici et medici, cum opus istud ipsis ostenderem corrigendum, maxime super prolixitatem, quoniam innitebar auctoritatum hic allegata capitula et loca propria assig- nare. Quibu-s respondeo, quod istud facio propter duo: 1) ut quaerendo dic- tas auctoritates labor scolarium minuatur; 2) ut ipsis inventis melius et cla- rius attendatur. Quod autem etc.“] Und an einer späteren Stelle fährt er fort: ,.Et sicut intelligenti dictum est cito, sic non intelligenti oportet idem propositum tamquam ipsum comprehendat sub diversis verbis repetere ter aut quater, et quicunquo ad informantiam talium aliquid ordinant et conscribunt, debent ipsos in scientia degustanda faciliter et fideliter informare et gradatim et paulatim eo modo, quo nutrices lactentes pueros informant et gustandis cibariis assuescunt, masticantes eis primena cibaria et doinde masticuta eis offerunt ad- gustandum, ita enim debent artifices et doctores ignorantibus discipulis non solum inasticare, sed iterum et pluries ruminare ut ipsi possint ipsam facilius deglutire“ etc. etc. Für uns, für die heutzutage M.’s Schrift nur historischen Werth besitzt, verwandeln sich diese Mängel gewissermassen geradezu in Vor-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24856307_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)