Die Chirurgie des Heinrich von Mondeville (Hermondaville) : nach Berliner, Erfurter und Pariser Codices / zum ersten Male herausgegeben von Julius Leopold Pagel.
- Mondeville, Henri de, active 14th century.
- Date:
- 1892
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Credit: Die Chirurgie des Heinrich von Mondeville (Hermondaville) : nach Berliner, Erfurter und Pariser Codices / zum ersten Male herausgegeben von Julius Leopold Pagel. Source: Wellcome Collection.
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![Galen nicht weniger als 431, Avicenna 307 mal. Aber bei aller Verehrung der Meister liegt ihm blinder Autoritätsglauben und kritikloses Schwören in verba magistri völlig fern. Er selbst warnt oft genug davor und dringt auf genaue Nachprüfung, da „verbum male intelloctum inducit errorem“ (cf. im Prooemium und an zahlreichen anderen Stellen). Freilich geht er in der Wider- legung der Alten schonungsvoll vor unter bereitwilligster Anerkennung ihrer Verdienste und Leistungen. — Was endlich Mondeville’s Bedeutung als Anatom betrifft, so wird auch hierauf im 2. Theil näher einzugehen sein. Merkwürdigerweise scheinen weder Chereau noch Littre die sicher consta- tirte Thatsache aus dem Leben des M. zu kennen, dass er 1304 zu Mont- pellier als Lehrer der Anatomie gewirkt hat, wie sich dies aus meiner früheren Publication, sowie aus den inzwischen von mir noch aufgefundenen, nicht bloss den genannten Autoren1) entgangenen, sondern bisher in der Lite- ratur überhaupt völlig unbekannt gebliebenen übrigen Abschriften des Collegienheftes ergiebt. Dies führt mich auf das Folgende: Der Titel dieser Sonderausgabe lautet anders als im Archiv. Er spricht auch von Er- furter Codices. Ausserdem ersieht der Leser aus mehreren Anmerkungen, dass noch andere Pariser Codices als die in der Einleitung genannten benutzt worden sind. Nachdem nämlich mit der Publication der vorliegenden Schrift bereits begonnen war, hatte ich mich nachträglich noch der zeitraubenden und wegen der Mangelhaftigkeit einiger Indices nicht mühelosen Arbeit unter- zogen, sämmtliche auf der Handschriften-Abtheilung der hiesigen Königl. Bi- bliothek mir zu Gebote gestandenen Handschriftenkataloge fast aller grösseren Bibliotheken der Welt auf das Vorhandensein Mondevi 11 e’scher Codices zu durchforschen. Das Ergebniss war folgendes: Ausser der schon früher er- wähnten englischen Handschrift (in dem „Catalogue of the manuscripls in the Cottonian library deposited in the British Museum printed by command of His Majesty of the King Georg . . . 1802“ p. 364 als „Galba E. XIII. Codex membran. in fol. min. in capsula: the remains of a medical MS. faid to be Hen. de Mundaville’s practice of surgery [partly Latin and partly Dutch]“ bezeichnet) existirt noch in der Berner Standtbibliothek (cf. Catalogus codi- cum Bernensium, bibliotheca Bongarsiana, edidit et praefatus est Herman- nus Hagen, addita est Bongarsii imago etc. Bern 1875, No. 227) ein aus dem 15. Jahrhundert herrührender, in einem Sammelband von 7 Handschriften in Quartformat befindlicher Papiercodex der Anatomie (von f. 53a—74a); ferner fand ich zu meiner nicht geringen freudigen Ueberraschung in dem kostbaren, auch an medicinischen und naturwissenschaftlichen Codices so ') Litträ’s Biographie besitzt überhaupt den Mangel, dass sie litera- rische Angaben nur höchst spärlich enthält. Ich habe diesen Mangel durch Beigabe eines möglichst vollständigen literarisch-biographischen Anhanges be- seitigt. — ln einer anderen Quelle, auf die mich Herr Geheimrath Gurlt aufmeiksam zu machen die Güte hatte, nämlich in dem bekannten Chou- lant’schen Werkchen „Graphische Incunabeln für Naturgesch. und Med.“ (Leipzig 1858) p. 125 ff. wird sogar an M.’s Aufenthalt in Montpellier stark gezweifelt.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24856307_0651.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)