Licence: Public Domain Mark
Credit: Klinische und anatomische Studien über die Pellagra. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University.
16/246 (page 8)
![Der kleine Landmann, der ein bescheidenes Stückchen Erde sein eigen nennt, vielfach nur Pächter oder gar Afterpächter ist, sucht seinen Boden nach Möglichkeit auszunutzen. Der gute, aus- gereifte, trocken aufbewahrte Mais kommt in den Handel, den schlechten, nicht verkaufsfähigen verzehrt er selbst. Nach der Kornernte baut er noch einmal Mais an und wählt zur Aussaat eine geringere Sorte, welche schnell aufgeht und reift („Quarantin- oder „Cinquantin-Mais [Zea ma'is praecox] genannt). Oft genug nöthigt ihn das Hereinbrechen der Regenzeit, die Körner bei feuchter Witterung einzubringen, ehe sie vollkommen reif sind. Fehlen nun noch — und das ist ganz allgemein der Fall — trockene luftige Lagerstätten für den Mais, so ist er dem Verderben in hohem Maasse ausgesetzt. Hierzu kommt, dass besonders der aus dem Maismehl gekochte Brei, die Polenta, welche vielfach das ausschliessliche Nahrungsmittel für die ganze Familie bildet, häufig für mehrere Tage voraus mit wenig Salz bereitet wird und leicht verdirbt. In Corfü, wo der Mais vortrefflich gedeiht, tritt die Pellagra erst auf, seitdem der Weinbau die Maispfianzungen fast vollkommen verdrängt hat und Mais in grossen Quantitäten aus anderen Län- dern eingeführt werden muss. Meist stammt er aus Rumänien und kommt, zum Theil in Folge der langen Seereise, häufig in verdor- benem Zustande, auf den Markt. Es scheint, dass auch der aus dem verdorbenen Mais herge- stellte Branntwein pellagrogene Wirkungen entfalten kann. Prädisponirende Momente sind: Leben unter schleckten hygie- nischen Verhältnissen, verringerte Widerstandsfähigkeit des Orga- nismus durch vorausgegangene Krankheiten, schlechte Ernährung. Alcoholismus. Die Bessersituirten, die neben Mais und Wasser auch etwas Fleisch und Wein geniessen. widerstehn der Krankheit länger. Selbst in den schlimmsten Pellagradistricten bleiben die Küstenstriche, wo neben Mais reichlich Fische genossen werden, verschont. Ebenso giebt es inmitten der Districte immune Inseln mit gemischter Nahrung. Die Erblichkeit scheint insofern eine Rolle zu spielen, als die erworbene Disposition des Nervensystems, zu erkranken, vererbt werden kann. Die Pellagra ist eine exquisit chronische Krankheit, die in Schüben unter periodischen Exacerbationen und Remissionen verläuft, wobei die Exacerbationen fast regelmässig in das Frühjahr fallen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21000608_0016.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)