Die chirurgische Behandlung von Hirnkrankheiten / von Ernst von Bergmannn.
- Ernst von Bergmann
- Date:
- 1889
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Credit: Die chirurgische Behandlung von Hirnkrankheiten / von Ernst von Bergmannn. Source: Wellcome Collection.
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![schlössen. Der Gang ist normal. Die Kraft beider Beine gleich, die des rechten Armes geringer als links. Die Sensibilität im Allgemeinen unverän- dert, ausgenommen eine geringe, durch den Aesthesiometer nachweisbare Herabsetzung an der rechten Wange. Die letzten epileptischen Anfälle am 10. Juni und am 11., ]6. und 18. August. Es war ein intermittirendes Fieber mit Frostete, am 21., 23. und 25. August aufgetreten. Damals schon wurde ein Tu- mor in dem Centrum des rechten Facialis angenommen. Im September wird eine weitere Verschlechterung der Sprache bemerkt, über die Patient selbst klagt. Während eines Fieber-Anfalles am 13. September hat er starke linksseitige Kopfschmerzen. Gefühl von Taubheit und Schwere in der ganzen oberen Ex- tremität, das anderswo nicht vorhanden ist. Klagen über Schläfrigkeit am Tage. Durch Messung mit zwei Oirkellspitzen wird eine geringe Herabsetzung des Tastgefühls am rechten Daumen und Zeigefinger eruirt. Patellarreflexe rechts deutlicher als links. Der Muskelsinn scheint, bei geschlossenen Augen geprüft, rechts und links gleich. Es folgten im October mehrere epileptische Anfälle, nachdem am 23. September ein auf die rechte Gesichtshälfte beschränkter Anfall von hef- tigen Zuckungen gewesen war. Hierbei sah die rechte Wange gerötheter und erhitzter aus als die linke. Ein anhaltender Kopfschmerz hatte die linke Pa- rietal-Region ergriffen. Parese der Gesichtsmuskeln jetzt viel stärker. Anä- sthesie in der rechten Gesichtshälfte und Hand gering, aber doch deutlich nach- weisbar. Bei Percussion des Schädels 2 Zoll über dem linken Ohre eine empfindliche Zone. Messungen mit dem Oberflächen-Thermometer ergaben nui- unwesentliche Unterschiede zwischen rechts und links. Am 17. November trepanirte Weir den Patienten unter den gewöhnlichen antiseptischen Cau- telen, wobei die Mitte der Trepankrone auf die untere Hälfte der linken vor- deren Centralwindung gerichtet wurde. IV^ Zoll oberhalb und etwas nach vorn von der linken Ohrmuschel. Die zweite Scheibe wurde grade vor und et- was höher ausgebohrt. Die dazwischen liegende Knochen-Partie wurde mit einer Zange fortgebrochen, so dass die ganze Lücke 2 resp. 3 Zoll maass. Die Dura erschien normal und pulsirte leicht. Sie.^ wurde nahezu in der Ausdeh- nung des knöchernen Defects so eingeschnitten, dass sie als Lappen aufwärts geklappt werden konnte. Die Gefässe über und unter der Dura wurden ohne Schwierigkeit unterbunden. Die Oberfläche des Hirnes bot nichts Abweichen- des. Anfangs konnte auch der tastende Finger des Operateurs nichts Auf- fälliges entdecken, doch nach einiger Zeit nahm er deutlich eine Härte unter einer nach hinten gelegenen und mehr violett aussehenden Windung wahr. Der Fingernagel traf in einer Tiefe von 1 Zoll eine Härte, die durch ge- krümmte Löffelstiele in Sicht gebracht wurde. Die Geschwulst erschien mandelgross, nicht eingekapselt, sondern mehr infiltrirt ins Hirngewebe. Mit einem Volkmann'schen Löffel, dessen Ränder stumpf gemacht worden waren, wurde sie herausgeholt. Nach ihrer Entfernung wurde noch ein zweites, erbsengrosses, hartes Stück entfernt. Die dergestalt erzeugte Höhle schien überall normale Wandungen zu haben. Ein Drainrohr wurde bis an ihren Grund geführt und zum hinteren Abschnitte der Wunde hinausgeleitet. Des- infection mit Y^ooo Sublimat - Lösung. Auf der zusammengenähten Dura](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21041428_0143.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


