Die Verhütung der Kurzsichtigkeit durch Reform der Schulen / von A. Treichler.
- Treichler, A.
- Date:
- 1886
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Verhütung der Kurzsichtigkeit durch Reform der Schulen / von A. Treichler. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![büoher, später durch die Masse der Jugendliteratur raöglichsl viel an das Zimmer gefesselt, zum Betrachten naher Gegen- stände angeleitet und vom Umgang mit der Natur abgezogen, anstatt dass es in Hof und Garten sich sein Spielzeug selbst aussucht, sich möglichst viel im Freien aufhält und sein Auge auf ferne Gegenstände richtet. Es wird also der Naheblick möglichst viel, der Fernblick möglichst wenig geübt, was die Kurzsichtigkeit sehr befördert. Das viele Lesen wirkt nach dem Urtheil der Augenärzte viel nach- teiliger, als das Schreiben, da das Auge beim raschen Lesen in einer Zeit-Sekunde 15—20 Buchstaben überfliegt. Es ist sehr verhäng- nissvoll , dass die meisten Gesetzgeber der Schule ein hochbegabtes Gehirn besitzen, das leicht arbeitet, und dass sie diese Gabe auch bei der Mehrzahl der Schüler voraussetzen, während sie thatsächlich nur einer kleinen Minderzahl von höchstens 20 Procent zukömmt. Dadurch ist unser ganzer Schulorganismus seit etwa 40 Jahren auf einer falschen Basis aufgebaut, die nothwendig krank machen inuss; es wäre ein Wunder, wenn sie es nicht thäte. Die grösste Gefahr liegt darin, dass bereits Aerzte sich mit der Kurzsichtigkeit als einem unentrinnbaren Kulturübel auszusöhnen beginnen. Nimmt jener Glaube und jene Gleichgültigkeit überhand , so wird der Weg zur Gesundheit immer schwerer zu finden sein und die deutsche Jugend ist halb verloren. Betrachten wir als schroffen Gegensatz zu der Hast und Eile der deutschen Schule die kindliche Einfachheit, welche der englische Gym- Dasial- und Universitäts - Unterriehl jetzt noch hat und vergleichen damil die Tüchtigkeil und die Gesundheit ihrer Staatsmänner, welche mit 70 bis 11] -Jahren noch jugendfrisch wirkten, wie Palmerston, Lord Beaconsfieid, Gladstone. Es ist diess ein sicherer Beweis, dass in der Erziehung mit sehr einfachen Mitteln Grosses erreicht werden kann. Die Begründung, das Jahr 1850 als Grenzscheido zwischen der alten, gesunden und der neuen, krankmachenden Schule zu bezeichnen, stutzt sich auf schweizerische Verhältnisse, während es für viele deutsche Schulen wahrscheinlich nicht zutrifft. Uebrigens versteht es sich von selbst, dass solche Umwandlungen Jahrzehndo brauchen. In •den vorgeschrittenen Schweizerkantonen wurde die Volksschule schon nach 1830 regenerirt und die Seminar-Direktoren empfahlen den jungen Lehrern einen langsamen und soliden Gang, was bis gegen 1850 als](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2164827x_0015.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)