Graphische and typographische Erstlinge der Syphilisliteratur aus den Jahren 1495 und 1496 : zusammengetragen und ins Licht gestellt / von Karl Sudhoff. (Mit 24 Tafeln).
- Karl Sudhoff
- Date:
- 1912
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Credit: Graphische and typographische Erstlinge der Syphilisliteratur aus den Jahren 1495 und 1496 : zusammengetragen und ins Licht gestellt / von Karl Sudhoff. (Mit 24 Tafeln). Source: Wellcome Collection.
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![sosque Christi fideles, hortamur ac jubemus, quatenus huiusmodi blasphema et impia delicta abstinendo fugiatis et dei timorem in sensibus accipiatis et eius mandatis obediatis, quo misericordiam Dei sustineatis, nec praedictas poenas incidatis. Igitur statuimus, ordinamus et volumus districte praecipiendo: Si quis, cujuscunque dignitatis, Status aut conditionis sit, sanctissimum Dei nomen inaniter adhibuerit aut blasphema verba et sacramenta de Deo juraverit, aut per sanctissimam Christi passionem, vul- nera, membra et his proxima verba juraverit aut per Dei genitricem Mariam semper virginem, Deique Sanctos, ut hujus blasphemiae rei sequentibus poenis sine omni gratia subiiciantur. [Folgen 4 Kapitel, welche das Strafmass unterscheiden, je nach¬ dem im Zorn das Delikt verübt, der Schuldige von Adel oder bürgerlich ist oder jemand den gehörten Frevel nicht anzeigt.] Quapropter Omnibus et singulis praecipiendo man- damus per gratiam viventis Dei et per uniuscuiusque fidem, qua tenemini nobis et Imperio, quatenus huic nostrae admonitioni, constitutioni et ordinationi obediatis eamque exequamini et passim per nostras et vestras ditiones publicari faciatis et tarn vestros subditos quam peregrinos eidem parere districte jubeatis, faciatis: delinquentes autem et transgressores praedictis poenis rigide coerceatis, nullius hominis habito respectu, si et iram Dei et a nobis sancitam poenam vultis evitare. Quae igitur nostrae placuerunt Majestati, ad effectum perducere enitimini, ut et sententiae nostrae executio et nobis fiat beneplacitum. Datum et Regii nostri sigilli appensione obsignatum, Wormatiae, septima die mensis Augusti, Anno a Nativitate Christi Millesimo quadringentesimo nona- gesimo quinto, Regnorum nostrorum, Romani decimo, Hungarici sexto. Dieser Königsbrief also sollte, wohin er im Original oder glaubwürdiger („gleuplich“) Abschrift (bzw. beglaubigtem Druck1) gelangte, Beachtung finden, damit Gottes Name „durch keinen Menschen vergebens, eitel und unnütz ausgesprochen werde“. Schon Kaiser Jus tini an, „unser Vorfahre im Reiche löblicher Gedächtnis“, habe strengstens geboten, „alle lästerlichen Worte und Schwüre beim Namen Gottes und seinen heiligsten Gliedern zu vermeiden“ bei Strafe gefänglicher Einziehung und Hinrichtung und ebenmässiger Aburteilung aller, die solche Verbrechen verheimlichten oder nicht zur Anzeige brächten. Leider sei aber diese strenge „Satzung“ Kaisers Justiniani, „unsers Vorfahrn“2) in Vergessenheit *) Auch die im Druck publizierten Kaiseredikte vom Reichs¬ tage wurden im einzelnen Exemplar vom kaiserlichen Notar kollationiert, beglaubigt und gültig geschrieben, wie das aus- dem Strassburger Exemplar des Ediktes gegen die Weinfälscher vom Reichstag zu Freiburg (1498) zu ersehen ist. (Vgl- Archiv f. Gesch. der Med. I, S. 446). Das Wiener Exemplar des Gottes¬ lästerer-Ediktes trägt nur den Kanzleivermerk „1495, Mandat contra Gotslesterer“; es ging ja auch nicht in die Welt, sondern war nur ein Kanzlei-Beleg. 2) Es ist nicht uninteressant auch diesem Justinianischen Edikt, das in seinem Wortlaut das Konzept der kaiserl. Kanzlei beeinflusste, näher nachzugehen (Novella 77, Authentica 78) aber ich begnüge mich für heute mit dem Hinweis auf den griechischen Text bei G. E. Zacharias ab Lingenthal, Imp. Justiniani Novellae quae vocantur sive Constitutiones quae extra codicem supersunt . . Lipsiae, 1881. Pars I., S. 184 ff. und ausser Übung gekommen. Darum habe er, der Kaiser Max, samt allen Reichsfürsten und Ständen und der ganzen Versammlung des Reichstages zu Worms, diesen hochbedauerlichen Zustand in Er¬ wägung genommen und erkannt, wie schwer Gott über diese Unterlassung ergrimmt sei, wie er denn früher schon vielfach Hungersnöte, Erdbeben, Pestilenzen und andere Plagen als Strafe und Warnung über die Menschen geschickt habe und kürzlich noch „jetzo bei unsere Zeiten“, wie jeder wisse, „dergleichen viel und mancherlei Plagen und Strafen“ dem nachgefolgt seien und sonderlich „in diesen Tagen“, also in allerletzter Zeit, im Früh¬ jahr und Sommer 1495, schwere Krankheiten und Plagen der Menschen, genannt die bösen Blattern, die vormals seit Menschen Gedenken nie ge wesen, noch gehört seien.“ Daraus sei Gottes strafende Absicht leichtlich zu erkennen. Alle seien so aufs eindringlichste gemahnt, jeden Missbrauch göttlichen Namens in Gottesfurcht zu meiden. Es falle aber auch jeder in irdische Schuld und Strafe, der „eitle“ [unnütze, zwecklose] oder lästernde Worte und Schwüre bei Gott, bei seiner heiligsten Marter, seinen Wunden und Gliedern, bei der Jungfrau Maria und seinen Heiligen tue, die in Unbedacht gesprochen Geld- oder Gefängnis¬ strafe nach sich ziehen, bei frevelhafter Absicht sofort die Todesstrafe verwirken, die nur bei Leuten aus dem Adel im ersten Betretungsfalle durch sofortigen Verlust aller Ehren und Ämter ersetzt werden dürfe, im Wiederholungsfälle aber gleichfalls unweigerlich Todesstrafe nach sich ziehe; der auch jeder verfällt, der als Privatmann oder im Amte von solcher Gotteslästerung erfährt und sie nicht zur Ahndung bringt. Wie sehr es dem Kaiser ernst gewesen ist mit diesem drakonischen Erlasse, beweist sein Vorgehen in der „Ordnung zu Augsburg“ 5 Jahre später (am 2. Juli 1500), in der er ausdrücklich auf das Edikt vom August 1495 zurückgreift: „Don (Soijjlefterern r> n b Seltnerem. IDiemol mir aud), bem Hbfd)ieb nad? unfets erftgehalten reichfjtag 3Ü tDormbs, go^lefterung mtb freuenlid) ferneren bey fyofyen penen uerbotten, tmö befjfyalb ein offen Hlanbat allenthalben ausgehen mtb retfiinben laffen, haben mir bod) bi^hcer folidyes gebots menig noljiehung gefpürt, unb 6arumb mit Hat 6er ftenb 6ifer nerfamlung folich flTanöat miöerumb 3Üuerneumen tmb allenthalb 3üucrfün6en fürgenommen in maffen mir aud) bas hiernit biefern abfdjieb tlfün . . . burd) unfet mtb mengflichen gerollten mtb Batfeuanben *) be§ ha^ marnung empfangen hatten. . • Das Wormser Reichstagsedikt wurde also feierlich erneuert, vermutlich nicht mit allzu grossem Erfolg. Doch, wie war denn die Wirkung des Ediktes vom 7. August 1495 in deutschen Landen? Zweifellos eine tiefe, den ganzen Umständen und Nebenum¬ ständen nach, unter denen es ins Volk ging. *) parsevant, parzivant, persevant, Unterherold (poursuivant).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b3134494x_0015.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


