Graphische and typographische Erstlinge der Syphilisliteratur aus den Jahren 1495 und 1496 : zusammengetragen und ins Licht gestellt / von Karl Sudhoff. (Mit 24 Tafeln).
- Karl Sudhoff
- Date:
- 1912
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Credit: Graphische and typographische Erstlinge der Syphilisliteratur aus den Jahren 1495 und 1496 : zusammengetragen und ins Licht gestellt / von Karl Sudhoff. (Mit 24 Tafeln). Source: Wellcome Collection.
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![4. Die Traktate Joseph Grünpecks vom Oktober und November 1496. Doch wenden wir uns den Büchlein Joseph G r ü n p e c k s zu, die er in Anschluss an das Brant’sche Flugblatt eiligst in den letzten Monaten des Jahres 1496 erscheinen Hess, ein lateinisches und ein deutsches, deren letzteres eine sehr freie Übersetzung des ersteren darstellt, sich sogar stellenweise völlig von ihm ent¬ fernt. Wir sehen davon ab, im vorliegenden Zu¬ sammenhang den vollen Wortlaut dieses lateinischen und deutschen Kommentars zu Brant’s Versen zu geben; er wird in dem zweiten Syphilisbändchen dieser Sammlung seine Stelle finden, das schon in der Druckerei in Arbeit ist. Wir werden dort die Augsburger Originaldrucke in Faksimile-Reproduktion bringen, hier nur einen Überblick über die Drucke des Jahres 1496 bezw. 1497, ihren graphischen Inhalt und über die Angaben des Verfassers über Wesen und Herkunft der Syphilis. Es liegen mir folgende Drucke der Grünpeckschen Syphilisschriften des Jahres' 1496 vor: a) f[Tractatus de pestilentiali Scorra, 18 Bl. 4° ohne Ort und Jahr, Vorrede vom 18. Oktober 1496, gedruckt wie das folgende bei Hans Schauer in Augsburg. (Tafel VIII.) b) UEin hübscher Tractat von dem vr- sprung||des Bösen Franzos. 22 Bl. 4° „Gedruckt in der Keyserlichen stat Augspurg durch Hannßen Schawren . . „Sammßtag nächßt vor Sant Thomas .... I.4.9.6. Jar.“ [17. Dez.], Vorwort vom „Eylftten tag des monat Nouembris. Imm .I.4.9.6.“ (Tafel IX.) Dies sind die beiden Originaldrucke. c) ^[Tratatus de pestilentiali Scorra . . 12 Bl. 4° ohne Ort und Jahr; Nachdruck hergestellt bei Kaspar Hochfeder in Nürnberg wohl noch 1496. (Tafel X.) d) HEin hubscher Tractat von dem vrsprung des bösen fran- || zos.12 Bl. 4° ohne Ort und Jahr. Nachdruck gleichfalls von Kaspar Hochfeder in Nürnberg, wohl zu Anfang 1497 fertiggestellt. (Tafel XI.) e) Tractatus de pestilentia II li Scorra . . . Scorra de Franssois .. 12 Bl. 4°, ohne Ort und Jahr bei Konrad von Zürichsee in Köln a. Rh. nachgedruckt, auch dies wohl noch 1496. (Tafel XII.) f) ^Tractatus de pestilentiali Scorra ... 12 Bl. 40 ohne Ort und Jahr, nachgedruckt bei Peter Gregor Böttcher in Leipzig und mit einem Gedicht am Ende vermehrt, 5 Distichen „Querimonia Mentagrici“1) (Tafel XIII.) Ob c), d) und e) wirklich vor f) erschienen sind, lässt sich bestimmt nicht sagen, jeder hat sich zweifel¬ los geeilt, das Produkt seiner Druckoffizin auf den Markt zu bringen, c) e) und f) waren vielleicht schon in Arbeit, ehe b) erschien. Alle sechs Drucke sind um die Wende des Jahres 1496 zu 1497 heraus¬ gekommen. Betrachten wir den Bildschmuck unserer Drucke! Was der Kölner Druck bringt, der Weltheiland mit dem Kreuzapfel und der Legende „Saluator mundi“ ist aus anderen Publikationen Konrads von Zürich¬ see bekannt, verdient also hier keine Beachtung, etwas mehr die Saturn- und Jupiter-Darstellung am Ende des Büchleins, die der Verleger einmal bei einer Praktik verwendet haben mochte und hier aufs neue benutzte. Das Titelbild der beiden Augsburger und Nürn¬ berger Druckwerke (a—d) ist eine Umzeichnung und teilweise Umdeutung des Baseler Holzschnittes. Auch hier thront noch die Madonna in der Wolkenglorie, Mutter und Kind sind aber hier beide zu Segen¬ spendern geworden. Der Kaiser ist auf die Knie gesunken und nimmt aus der Rechten der Madonna die römische Kaiserkrone mit der vor wenig mehr als Jahresfrist König Karl VIII. von Papst Alexander VI. gekrönt war, und die Pfeile aus der linken Hand des Christkindes sind zu Segensstrahlen geworden, die zwei syphilitische Frauen in heilende Licht¬ behandlung nehmen. Der tote Jüngling mit schwarzem Schamschurz (Bruch) ist in die Mitte des Vorder¬ grundes verschoben; der schwarze Adlerschild ist mehr heruntergerückt. Zeichnung und Schnitt des Augsburger Originaldrucks (Tafel VIII u.IX) sind weit besser und charakterischer geraten als der eilige Nürnberger Nachschnitt (Tafel X und XI) der aller¬ dings statt der Punkte auf den unbekleideten Körper- *) Wenn Fuchs „Die ältesten Schriftstellen über die Lust¬ seuche in Deutschland“, Göttingen 1843, S. 387 meint, dass das dem Leipziger Exemplar am Ende „von neuer Hand“ bei¬ geschriebene „per Gregor Böttcher“ „wahrscheinlich der Name des Verfassers“ sei, so irrt er sehr; es ist der Name des Druckers. Unter den Gedichten des damals in Leipzig weilenden westfälischen Sängers, Hermann von dem Busche habe ich diese Verse vergeblich gesucht.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b3134494x_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


