Graphische and typographische Erstlinge der Syphilisliteratur aus den Jahren 1495 und 1496 : zusammengetragen und ins Licht gestellt / von Karl Sudhoff. (Mit 24 Tafeln).
- Karl Sudhoff
- Date:
- 1912
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Credit: Graphische and typographische Erstlinge der Syphilisliteratur aus den Jahren 1495 und 1496 : zusammengetragen und ins Licht gestellt / von Karl Sudhoff. (Mit 24 Tafeln). Source: Wellcome Collection.
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![At vulgus vulgo vocavit malafranzosa, Nomen indens ei regis a franciae terra. Haec pestis teneris languorem tulerat membris, Soporem non aufert, edendi copiam confert. Membra iacent langwida, si dentur illis ung[u]enta More apothecario, fient leniora peroncta. Triste cibus morbidis et triste potus est aegris Ille indigestus, et potus non ferens aestum. Sit modestus cibus, cerevisia nulla praebetur. Sint pisces longe, sint a te procul alleca.x) Laeto sis animo, citius curaberis ipse. Sit mens leta tua; non est letalis franzosa. Balnea saepe tene, memento incidere venas, Te nec aer suo perflabit sepius vento. Semper maneas calidus, nec frigus captabis opatum [optatum?]. Heus dee, quantum genus tu punis mortale, Inferendo mala, quae prius habebant exterres. Quantum percutimur minarum ihu [Jesu] flagellis! Forsitan id exigunt facinora nostra, sed Christe, Confer nobis veniam, qui feminam Chananeam Et Petrum flentem vocasti ad lucidam Phebe. Hos versus fecit sacerdos Jaspior, sed incorrecta sunt. Die Verse sind mit grosser Wahrscheinlichkeit im Jahre 1495 oder 1496 spätestens auf den Fussrand einer Lüneburger Handschrift geschrieben, die sich heute auf der Göttinger Universitätsbibliothek be¬ findet (Cod. Ms. Luneb. 2 Bl. 61v), wie ich das im ') Kleine Pökelfischchen, Fischbrühen. Archiv füT Geschichte der Medizin (Bd. II S. 429 f) näher auseinandergesetzt habe. Für hier mag es genügen, darauf hinzuweisen, dass derselbe Schreiber eine andere Randnotiz mit der Datierung »in Burgo Waldenrod1 2) in profesto praesentationis Mariae [21. November] 1494“ schliesst.*) Die „Planta noctis“ kennen wir schon aus dem Grünpeck; auch sie spricht für eine frühe Zeit.3) Aber die einfach¬ diätetische Behandlung mit Einreibungen aus der Apotheke zeigt uns den geistlichen Verfasser als einen Mann vom Schlage des Veroneser Patriziers; die Überzeugung von der gegen die Gottesgeissellehre rebellischen, relativen Ungefährlichkeit des Leidens, „non est letalis franzosa“, war offenbar schon in weitere Kreise gedrungen, vielleicht zum Schaden der Erkrankten, (die ihre Krankheit nun manchmal zu leicht nahmen), ist jedenfalls aber ein lautsprechender Einwand gegen die entsetzlich schwere Initialepidemie nach Einschleppung der Syphilis aus Amerika in das „jungfräuliche“ Europa, die also doch wohl dem „luftigen Reich vergänglicher Vermutungen“ ent¬ stammt. — J) Wallenrod bei Fulda? 2) Ich habe beide Stellen auf Tafel XVII in Faksimile wiedergeben lassen. *) Man hat unwillkürlich den Verdacht, als ob die viel- beregten nächtlichen Schmerzen aus dieser „Nachtpflanze“ einen „planctus nocturnus“ gemacht hätten. Vgl. übrigens Archiv für Geschichte der Medizin Bd. III S. 352.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b3134494x_0032.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


