Graphische and typographische Erstlinge der Syphilisliteratur aus den Jahren 1495 und 1496 : zusammengetragen und ins Licht gestellt / von Karl Sudhoff. (Mit 24 Tafeln).
- Karl Sudhoff
- Date:
- 1912
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Credit: Graphische and typographische Erstlinge der Syphilisliteratur aus den Jahren 1495 und 1496 : zusammengetragen und ins Licht gestellt / von Karl Sudhoff. (Mit 24 Tafeln). Source: Wellcome Collection.
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![unde me scal to dem ersten spreken v paternoster unde dit bedeken: O leve here hymmels unde der erden, de du den geduldigen Job dorch dyne vorhengenisse letest slan dorch den vint der mynschen mit den heftigen plagen, dat neyn mynsche gewan [jemals] mit so groter lemynge der lede van den voten wente to dem schetele vorseriget wart, sulke plage wedderume hest van ome genomen dorch syner groten gedult, ik vormane dik, schepper himmels unde der erden, des geloftes mit Noe, des vor esschinge Abrahe, des iuramentes na der ordineringe Melchizedech, der erwachtinge Symeonis, den du allen des olden testamentes geleistet hest in ewicheit, hef up disse plaga der bladderen mala franczosa genant unde lat mik armen Sünderinnen nich beflecket werden, gedencke der hilgen vorsonynge mit Noe twischen dik unde den mynschen, den sintflot nummer to senden, gedencke Abrahammes biddinge iegen Sodoma unde Gomorra unde vorlat mik sulker plaga dorch disse hilgen vormanynge unde unutsprekelike barmherticheit, behode unde beschütte under dyne beschuttinge vor dem slanden engel disser plage, de du bist god vader mit dem sone unde dem hilgen geiste van ewicheit to ewicheit iummer mer unde ewichliken. Amen.*) So fügen sich diese vier Blätter enge zusammen zum Bilde einer eigenartigen Krankheitsabwehr und -Heilung, wie das bedrückte Volk in Erlösungs¬ verlangen sie suchte. Sie liefern zugleich eine Stich¬ probe auf die religiöse und allgemein völkliche Ein¬ wirkung des Gotteslästerer-Ediktes Kaiser Maximilians vom Sommer 1495, das dem deutschen Geistesleben vorübergehend die Blickrichtung auf die eben zum erstenmale beobachtete Syphilis gab in einer Nach¬ drücklichkeit und Vielseitigkeit wie in keinem andern Lande Europas im letzten Lustrum des 15. Jahr¬ hunderts und damit der ganzen Syphilisliteratur eine ganz besondere Färbung für einen kurzen Zeitab¬ schnitt verlieh, ja fast für längere Dauer; denn nirgends hat man sich so intensiv literarisch mit der Lues beschäftigt auch in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts wie gerade in Deutschland. *) Vgl. Archiv für Geschichte der Medizin Bd. I, S. 374 ff. und Bd. III, S. 350 f.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b3134494x_0036.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


