Die allgemeine chirurgische Pathologie und Therapie in einundfünfzig Vorlesungen : ein Handbuch für Studierende und Ärzte / von Theodor Billroth.
- Theodor Billroth
- Date:
- 1866
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Credit: Die allgemeine chirurgische Pathologie und Therapie in einundfünfzig Vorlesungen : ein Handbuch für Studierende und Ärzte / von Theodor Billroth. Source: Wellcome Collection.
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![entschieden den Vorzug gab, bald solche, in denen man sie im Princip ganz verwarf. Die Ansichten der meisten jetzt lebenden Chirurgen neigen sich mehr der letzteren Anschauung hin, so auch die meine. Im Princip gebe ich entschieden der Operation mit Messer und Scheere den Vorzug, und zwar aus dem einzigen Grunde, weil ich dann genau weiss, was ich entferne, weil ich sicher beurthcilen kann, ob alles Kranke entfernt ist. Ich be- trachte daher die blutige Exstirpation der Krebse sowie der Geschwülste überhaupt als Regel. Doch wo eine Regel ist, sind auch Ausnahmen. Bei sehr alten Leuten, bei anämischen oder sehr messerscheuen Kranken kann das Aetzmittcl zur Anwendung kommen, und wenn man es mit Consequenz so lange fortsetzt, bis alles Krankhafte zerstört ist, dann ist der Erfolg auch ein ganz günstiger. Vom physiologischen Standpunkte aus hat das Aetzmittel Manches für sich; man kann sich nämlich vorstellen, dass die ätzende Flüssigkeit bis in die miterkrankten feinsten Lymphgänge ein- dringt und so recht sicher den örtlichen Krankheitsstoff zerstört. Allein dies ist deshalb nicht leicht der Fall, weil das Gewebe, welches mit dem Aetzmittel in Berührung kommt, damit sofort eine innige feste Verbindung eingeht, und ein Weiterfliessen des Aetzmittels dann nicht mehr Statt hat. Man hat früher behauptet, die Recidive folgten nach Anwendung von Aetzmitteln nicht so schnell als nach der Operation mit dem Messer, indess hat sich das nicht bestätigt; ich statuire daher nur die oben angeführten Aus- nahmen. Was die Wahl der Aetzmittel betrifft, so ziehe ich das Chlorzink allen übrigen zur Zerstörung von Krebsen vor; Sie können dasselbe als Paste oder als sog. Aetzpfeil anwenden. Handelt es sich um die Aetzung einer Fläche, so machen Sie sich aus gepulvertem Chlorzink und Mehl zu gleichen Theilen mit Zusatz von etwas Wasser einen Brei, den Sie auf die Geschwürsfläche auftragen. Wollen Sie tiefer ätzen, so lassen Sie 1 Theil Chlorzink mit 3 Theilen Mehl zusammenrühren, zu einem Kuchen formen und trocknen; die Masse lässt sich bequem schneiden: Sie schneiden mit einem Messer kleine zugespitzte Cylinder von ]4 bis 1 Zoll Dicke, machen mit einer schmalen Lancette einen Einstich in die Geschwulst und drücken den Aetzpfeil hinein; dies machen Sie so oft, bis die Ge- schwulst durchspickt ist von Pfeilen, die etwa \ Zoll Distanz haben kön- nen. Nach dieser Aetzung tritt 4 — 5 Stunden lang ein mässiger Schmerz (bei der weichen Paste oft sehr heftig) ein, und am anderen Tage finden Sie die Geschwulst zu einem weissen Schorf umgewandelt. Dieser löst sich nach 5 — G Tagen, früher bei weichen Geschwülsten, später bei harten. Nach Ablösung der Eschera stellt sich, falls die Aetzung genügend bis in s Gesunde vordrang, eine gut granulirende, bald vernarbende Wunde](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24905835_0711.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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