Die Rohstoffe des Pflanzenreiches : versuch einer technischen Rohstofflehre des Pflanzenreiches / von Dr. Julius Wiesner.
- Wiesner, Julius, 1838-1916.
- Date:
- 1873
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Credit: Die Rohstoffe des Pflanzenreiches : versuch einer technischen Rohstofflehre des Pflanzenreiches / von Dr. Julius Wiesner. Source: Wellcome Collection.
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![Chemische Beschaffenheit der Farbflechten. Die Farb- stoffe der Farbflechlen kommen in deren Geweben nicht fertig, sondern bloS vorgebildet vor. Eingehende Untersuchungen, die namenllicli Schenk 1), Strecker2), Stenhouse^] und Hessel) zu danken sind, haben gelehrt, dass in verschiedenen Farbflechlen verschiedene Ghromogene auftreten, v^^elche den Gharacler von Sauren tragen,^ und die erst mittelbar in den Farbstoff der Flechlenfarben übergehen. Die wichtigsten dieser Säuren sind: die Lecanorsäure (€i6Hi407) , in Roc- cella-Arten, wahrscheinlich in R. lind. DC. und phycopsis, aufgefun- den, die Parellsäure (GgHßOi), Lecanora parella beobachtet, die Erythrinsäure (GaoHj^Oio) , aus der Valparaisoflechte (augebhch Rot-. fucif.; wahrscheinlicher indess jR. fmc^. Z)C.), die Roccellsäure {G^^E■^2^4) aus einer nicht genau botanisch bestimmten Roccella (augeblich R. tinct. Ach.) dargestellt. Sowohl bei der trockenen Destillation als bei der Behandlung mit Alkalien oder alkalischen Erden entsteht aus den genannten farblosen, krystallisirbaren Säuren durch Spaltung Orcin (€7Hg02)j G'D an sich farbloser, in Wasser leicht löslicher, krystallisir- barer Körper, der aber bei Zutritt von Sauerstoff und Ammoniak in Orcein (€7H2NO;j) tibergeht, eine braune, amorphe Substanz, welche sich in Ammoniak mit violetter, in Alkalien mit purpurner Farbe löst, und den wesentlichen Bestandlheil der Orseille ausmacht. Nach Kane^) soll der wesentliche Bestandtheil des Lacmus das Azolitmin sein, ein amorpher, braunrother Körper von der Formel €7H7N04. — Ob nicht auch Orcin in den Flechten schon fertig gebildet vorkommt, was nach den Färbungen, welche manche Flechten an der Luft annehmen, wahr- scheinlich ist, bleibt noch genauer festzustellen. Die Farbflechten enthalten ausser den genannten Säuren noch die gewöhnlichen Flechtenbestandtheile : Gellulose, Lichenin, Zucker, Gummi, etwas Fett, Harz, Wachs und Eiweisskörper, einen dem Ghlorophyll gleichen, oder vielleicht nur ähnlichen Körper (Thallochlor) ^'j , Oxal- säuren und (z. B. Lecanora ventosa Ach.) weinsauren Kalk^). Gharacteristik der Flechtenarten, welche in den käuflichen Farbflechten auftreten. Die zur Darstellung von Farben dienenden Rocceilen lassen sich schon makroskopisch mit -1) Ann. der Clieni. und Plmiin. Hd. 41, 54, 61. 2) Ebendaselbst Bd. 68. 3) Ebendaselbst Bd. 68. 4) Ebendaselbst Bd. 117 und Bd. 139. 5) Ebendaselbst Bd. 39. 6) Knop und Sclinedermann, Ann. der Clieni. und Pharm. 65. p. 154. 7) Vgl. Rochlcder, Cheni. und Pliysiol. der Pflanzen, p. 94 11.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21463189_0828.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


