Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende.
- Henoch, E. H. (Eduard Heinrich), 1820-1900.
- Date:
- 1897
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Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
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![Bei einem 2jälirigeii Kind bestand neben .Spina ventosa ein ungewöhniiclies psychisches Wesen, ein Wechsel von Altklugheit und Stumpfsinn, ohne irgend eine Mobilitätsstörung. Nach dem an Diphtherie erfolgten Tod ergab die Section unter der Pia und an verschiedenen Stellen der Gehirnsubstanz, auch im kleinen Gehirn, mehrere höckerige, kirschgrosse Tumoren, die in der Peripherie grau durchscheinend, im Centrum theils verfettet, theils verkalkt waren. Ein ähnlicher Herd fand sich im oberen Theil der linken Niere. Da in keinem Theil Tuberkel vorkamen, aber auf beiden Schienbeinen periosteale Auflagerungen gefunden wurden, liegt es nahe, die Gehirntumoren als syphilitische Gummata zu betrachten, Avofür sie auch nach der Untersuchung im pathologischen Institut der Charite erklärt wurden i.) Fischl) und Kobts-^) haben eine Reibe in der Literatur zer- streuter Fälle gesammelt und eigene binzugefügt, in welchen die ver- schiedensten Cerebralsymptome, Epilepsie, Contracturen, Lähmungen, geistige Störungen, und die dabei gefundenen anatomischen Veränderungen (gummöse Meningitis cerebralis und spinalis, Sclerose, Endarteritis) von hereditärer Syphilis abgeleitet werden. Besonders spricht sich Mon- corvo^) für die Abhängigkeit der spinalen Herdsclerose von hereditärer Lues aus und führt Fälle an, welche den günstigen Einfluss von Jod- und Mercurialcuren beweisen sollen. Ich will die Richtigkeit dieser Schlüsse zft^ar nicht bestreiten; aber es fällt mir auf, dass ich selbst trotz der grossen Zahl hereditär syphilitischer Kinder, welche mir zugingen, cerebrale oder spinale Symptome, die man zweifellos auf Lues beziehen konnte, so gut wie gar nicbt beobachtet habe. Lis- besondere ist mir der behauptete Zusammenhang von chronischem Hydro- cephalus_ mit Lues hereditaria sehr zweifelhaft. Von einer specifischen Behandlung-habe ich hier wenigstens nie den geringsten Vortheil gesehen. Im Gefässsystem Neugeborener fand man bisweilen Veränderungen, die an die „luetischen Erkrankungen der Hirngefässe erinnern; so schildert Schütz^) die kleinen Arterien der Nieren und der Haut als stark verengt, ihre Wandungen durch Hypei'trophie der Muskelhaut und Adventitia bedeutend verdickt, und leitet davon die vielfachen kleinen Ecchymosen her, welche sich bei diesem Kind (einer Frühgeburt) auf der Haut, im Unterhautzellgewebe, in den Muskeln, Nieren und anderen Theilen vorfanden. Ob aber diese Gefässveränderungen in der That durch Syphilis bedingt sind, ist nach den Untersuchungen von 1) Vergl. Siemerling, Gongenitale Hirn- und Uückenniarkssy]ihilis. Archiv f. Psych. Bd. 20. Heft 1. 2) Zeitschr. f. Heilk. XI. 1890. 3) Pädiatr. Ai'beiten. Festschr. Berlin, 1890. ^) Revue mens. Juin 1887 u. Sept. 1895. °) Prager med. \\'oc]icnschr. 1878. \o. 45. 46. 7*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21219084_0113.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


