Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende.
- Henoch, E. H. (Eduard Heinrich), 1820-1900.
- Date:
- 1897
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Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
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![iiincrliall) der boidi^i ersten Lebensmonate entwickeln, als liei'editärc betrachtet werden. Ich führte bereits an (S. 55), dass die ererbte Lues schon in den ersten Lebenstagen in Form von Pemphigus zur Er- scheinung kommen kann, und in mehreren oben mitgetlieilten Fällen sahen wir schon in den ersten Wochen auch andere syphilitische Haut- aifectionen und Coryza auftreten. Häufiger aber bieten die Kinder in den ersten 4 bis 6 Wochen keine auffallenden Erscheinungen dar, und erst nach Ablauf dieser Zeit machen sich Symptome bemerkbar. Jenseits des zweiten oder gar des dritten Monats ist die erste Ent- wickelung selten i), und bei noch späteren Terminen bleibt es immer zweifelhaft, ob nicht ein Recidiv oder directe Uebertragung der Krank- lieit vorliegt. Die letztere lässt sich freilich nicht leicht feststellen, und besonders unter Umständen, welche Geständnisse von Seiten der Eltern erschweren oder verbieten, wird oft der Versuch gemacht, den Arzt von dem Gedanken der Erblichkeit abzubringen, ihn durch falsche Vor- spiegelungen einer syphilitischen Amme oder Wärterin, die das Kind angesteckt habe, zu täuschen. Die Möglichkeit einer solchen In- fection will ich keineswegs in Abrede stellen, doch ist von den Fällen dieser Art, die mir selbst vorkamen, kein einziger so sicher, dass ich den hereditären Ursprung absolut ansschliessen konnte. Wohl aber be- obachtete ich directe Ueb ertrag an gen der Lues auf Säuglinge in armen Familien durch syphilitische Frauenzimmer, welche die Wohnung theilten und mit den Kindern viel verkehrten, vielleicht durch Schwämme und andere gemeinsam benutzte Toilettengegenstände. Dagegen ist die früher oft angenommene Infectio]i des Kindes während der Gebm^t durch die syphilitisch erkrankten Genitalien der Mutter (Syphilis adnata) sehr zweifelhaft, z. B. der Fall Trousseau's, welcher einen „indurirten Schanker an den Nates eines Kindes von dem Contact mit der ulce- rirten Vulva der Mutter herleitete. Ich selbst habe einen Fall dieser Art ebensowenig gesehen, wie eine Ansteckung durch die Vaccination, welche in unserer Zeit als „Syphilis vaccinalis viel Staub aufgewirbelt hat. Dass durch die Einimpfung von Vaccine, die von einem syphilitischen Kinde stammt, mag nun etwas Blut damit vermischt sein (Viennois) oder nicht, eine Uebertragung der Krankheit möglich sei, wird man wohl nicht mehr bestreiten können, nachdem die Contagiosität der secun- dären Lues überhaupt sicher gestellt ist, und es lässt sich auch nicht leugnen, dass manche der von den Autoren mitgetheilten Fälle von ^) Roger fand unter 249 Fällen die ersten Symptome 118mal im ersten.217mal vor dem Ende des dritten Monats, aber nur 32mal nach demselben.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21219084_0116.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


