Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende.
- Henoch, E. H. (Eduard Heinrich), 1820-1900.
- Date:
- 1897
Licence: Public Domain Mark
Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University Libraries/Information Services, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University.
119/914 page 105
![borenen Kinder besonders heftig befallen zu werden pflegen, die später folgenden gesund bleiben können. Niclit selten beobachte!, man auch eine Alternation gesundci' und syphilitisclicr Kinder, die wohl daraus zu erklären ist, dass die Lues der Eltern von Zeit zu Zeit wieder manifest wird, zu anderen Zeiten in einem Zustand von Latenz verharrt, welcher die Gesundheit des Foetus nicht zu gefährden braucht. Auf diese Weise kann die Vererbung sehr lange bestehen bleiben; Kassowitz schätzt sie auf 10 bis 14 Jahre, aber der folgende von mir beobachtete Fall lehrt, dass sogar 20 Jahre darüber hingehen können. Der Vater des betreffenden Kindes war als Brcäutigani mit einem noch nicht völlig- geheilten Schanker in die Ehe getreten. Das erste Kind, welches ein .Jahr nach der Hochzeit geboren wurde, soll wiederholt an Anschwellungen der Schien- beine gelitten haben, und ich selbst hatte Gelegenheit, bei diesem Kind, als es zu einem jungen Mädchen von 17 Jahren herangewachsen war, noch eine umfangreiche Periostose am linken Humerus zu beobachten. Die Mutter selbst litt während der nunmehr 20jährigen Ehe wiederholt an verdächtigen Anginen und hartnäckigen Ge- schwüren in der Umgebung der Kniegelenke, welche immer durch Jodkali und Decoct. Zitmanni beseitigt werden mussten. Während dieser langen Zeit gebar sie noch zwei völlig gesunde Kinder, abortirte dann aber mehrere Mal, bis sie im 20. Jahr der Ehe wieder von einem Knaben entbunden wurde, welcher 14 Tage nach der Geburt von den ausgeprägten Erscheinungen der hereditären Syphilis be- fallen wurde und einer längeren Mercurialbehaudlung unterworfen Averden musste. Später wurde er in hohem Grade rachitisch, litt vielfach an Convulsionen und Glottis- krampf, wuchs aber schliesslich, Dank einer vortrefflichen Pflege, zu einem gesunden Jüngling heran. Ob/es möglich ist, an der Form der infantilen Lues ihren väter- lichen oder mütterlichen Ursprung zu erkennen, bezweifle ich. Die An- sicht von Bärensprung, Hecker und KeyseU), dass die interne Syphihs, besonders die Afi'ectionen der Leber, die Vererbung von väter- licher Seite her constatire, scheint mir mit Rücksicht auf die unüber- windlichen Schwierigkeiten, welche sich hier einer sicheren Anamnese entgegenstellen, keineswegs sicher zu sein. — Ich komme nun zur Behandlung. Meine Erfahrungen in diesem Gebiet fasse ich in dem kurzen Satz zusammen: das einzige sichere Heilmittel der infantilen Syphilis ist das Quecksilber. Die Wirkung desselben ist oft geradezu erstaunlich und dui-ch ihre Schnellig- keit in hohem Grad überraschend. Weder Jodkali, noch Jodeisen, die von Manchen empfohlen wurden, halten einen Vergleich mit dem ]\Iercur aus. Von den Präparaten ziehe ich Calomel und Hydrargyrum oxydul. nigrum, in Dosen von 0,01 bis 0,015 früh und xVbends ge- 1) Bayer, ärztl. Intelligenz-Blatt. 1876. No. 21.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21219084_0119.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


