Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende.
- Henoch, E. H. (Eduard Heinrich), 1820-1900.
- Date:
- 1897
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Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
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![1 4-0 l\'r;iiiklioit(Mi des Siiiifi'linji'sallcrs. Iclirl dei' \()n mir hcohaclilctc Fall eines 1 j;iliriji;('n g'esiiiulon Kindes, wclcjics, diircli den pJöl/liclieii Aiifselirci der gebissenen Muller erselireckt, zusammenzuckte und sofort in Convulsionen verliel. Jeder Arzt weiss, dass die verschiedensten Beschwerden der Säug- linge, sogar derer, welche das erste Semester des Lebens noch nicht überschrilten haben, von Vielen noch immer auf die „Zähne bezogen werden. Aberglaube und Indolenz reichen sich hier die Hand, zumal in der Arraenpraxis, um allerlei Unheil, das oft Jiur schwer wieJer gut zu machen ist, zu stiften. Jede Diarrhoe, jeder Krampfanfall, die bei solchen Kindern auftreten, werden von den „Zähnen abhängig gemacht, dem- zufolge vernachlässigt oder gar als heilsam angesehen, und ärztliche Hilfe wird oft erst zu einer Zeit nachgesucht, wo sie zu spät kommt. Dieser alten, im Publicum trotz aller Belehrung noch irainer in voller Blüthe stehenden Tradition setzt nun ein grosser Theil der jetzigen Aerzte die entschiedenste Negation entgegen. Die Zahnung, so lautet ihre Ansicht, sei ein physiologischer Vorgang, der keine krankhaften Erscheinungen machen könne. Alles, was man früher als solche betrachtete, sei Täuschung durch zufällige, neben der Dentition einhergehende Krank- heiten, welche mit dieser jiicht das Geringste zu thun hätten. Es fragt sich aber doch, ob diese Ansicht, als deren entschiedenster Vertreter jetzt Kassowitz erscheint^), durchweg berechtigt ist. In vollster An- erkennung des Verdienstes, welches sie sich in Bezug auf die Be- schränkung der „Zahnkrankheiten erworben liat, kann ich doch einige Bedenken nicht unterdrücken. Wir wissen, dass der Zahndurchbruch dadurch zu Stande kommt, dass die wachsende Zahnwurzel die bereits fertige Krone allmälig vorschiebt, und nach der Durchbrechung des über- liegenden, durch den zunehmenden Druck immer mehr verdünnten Zahn- fleisches aus der Alveole heraustreibt. Ist es nun so ganz undenkbar, dass dieser langsam vor sich gehende Process einen Reiz oder Druck auf die Dentalzweige des Trigeminus ausübt und reflectorische Er- scheinungen zur Folge haben kann, welche ]iicht bloss im Gebiet der motorischen, sondern auch in dem der Gefässnerven auftreten? Ich glaube doch diese FVage bejahen zu dürfen, und beziehe mich speciell auf einzelne von Tordeus-) und auch von mir beobachtete Fälle, in denen partielles Oedem, Röthung oder cyanotische Färbung der Hände, Füsse, Ohren u. s. w^ anfallsweise auftraten, und mit dem Durchbruch 1) Vorlesungen über Kinderkrankhcilen im Alter der Zaluning. Leipzig und Wien 1892.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21219084_0154.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


