Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende.
- Henoch, E. H. (Eduard Heinrich), 1820-1900.
- Date:
- 1897
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Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
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![i-and zu schieben und ftcgen denselben anzudrücken, wobei auch die Gc- iahr des Beissens für den Arzt vermieden wird. Denn jeder Versuch dazu muss dem Kinde, dessen Lippe sich zwischen dem drückenden Finger und den Zäliiien befindet, seliiuerzliaft werden. Der Widerstand, welchen die eigensinnig geschlossenen Kiefer dieser ]\Ianipulation ent- gegensetzen, wird bei einiger Behari'lichkeit meistens rasch überwunden, zumal wenn man durch Zusammendrücken der Nasenlöcher das Kind nöthigt, durch den Mund Athem zu holen. Sobald man mit dem Finger über die untere Zahnveihe hinaus ist, öffnet das Kind gewöhnlich den Mund hinreichend, um die Mund- und Rachenhöhle gut übersehen zu können. Im entgegengesetzten Fall kann man dies durch Benutzung eines Zungenspatels erreichen. Vor Allem sorge man dabei für gute Be- leuchtung der Rachenhöhle, entweder durch helles Tageslicht, oder, wo dies nicht zu haben ist, durch eine kleine Kerze, deren Flamme man vor einem mit derselben Hand gefassten blanken Löffel festhält. Mit dieser einfachen, einen Reflexspiegel ersetzenden und überall schnell zu beschaffenden Vorrichtung erzielt mau eine vortreffliche Beleuchtung, deren ich mich häufig bediene. Lnraerhin aber werden Sic es oft mit Kindern zu thun bekommen, welche allen Versuchen den Mund zu öffnen, einen so hartnäckigen Widerstand entgegensetzen, dass man schliesslich ganz davon abstehen oder durch gewaltsames Auseinanderschrauben der Kiefer zum Ziel zu gelangen suchen muss. — Um nun die erhaltenen üntersuchungsresultate für die Diagnose ver- werthbar zu machen, müssen Sie die Kenntniss der Momente sich an- eignen, durch welche sich gewisse Befunde im kindlichen Alter, und zwar im gesunden Zustand, von den gleichen bei Erwachsenen unter- scheiden, damit Sie nicht, was sonst leicht geschehen könnte, in die Lage kommen, normale Verhältnisse als pathologische anzusprechen. Zu- nächst mache ich auf die Differenzen aufmerksam, welche der Charakter des normalen Athemgeräusches in den verschiedenen Lebensaltern dar- bietet. Li den ersten AVochen und Monaten nach der Geburt ist das Geräusch noch ziemlich schwach, weil die kurze oberflächliche Respii'ation nicht ausreicht, die Lutt kräftig durch die Bronchien zu treiben, und aus diesem Grund giebt auch die Percussion in diesem Alter am ganzen Thorax einen minder sonoren Schall. Aber schon von der Mitte des ersten Jahres an beginnt das Athmimgsgeräusch jene Eigenschaften an- zunehmen, die man auch unter gewissen Umständen bei Erwachsenen findet und mit dem Namen des puerilen Athemgeräusches zu bezeich- nen pflegt. Es hat einen scharfen, blasenden Cliarakter, die Inspiration ist fast allein hörbar, die Exspiration im völlig ruJiigem Zustand wenig](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21219084_0024.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


