Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende.
- Henoch, E. H. (Eduard Heinrich), 1820-1900.
- Date:
- 1897
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Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
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![isl (lahrr für (li(^ Praxis ein wcrtlivollcs Zeichen des vcrmelirten inira- craiiicJJcn Druckes, der aber in sehr hohen Geraden (Hydroocphalnsj die Pulsation aufhebt. Andererseits verkündet das Einsinken der Fontanelle unter dem Niveau der Umgebung einen anämischen, collabirten Zustand des Gehirns, wie er häufig bei atrophischen Kindern oder am Schluss erschöpfender Krankheiten (Diari'hoe, Brechdurchfall) vorkommt. Unter diesen Umständen findet man nicht selten eine Verschiebung der StiiTi- und Schläfenbeinränder unter die der Scheitelbeine, so lange die Suturcn noch häutig sind und eine solche Verschiebung gestatten. Während nun die beiden seitlichen und hinteren Fontanellen schon in den ersten Monaten nach der Geburt durch Ossification sich schliessen, bleibt die vordere grosse Fontanelle nach offen (etwa lig—2Y2 Ctm. im sagittalcn Durchmesser). Die Ansicht, dass sie während der ersten sechs j\Ionate noch an Umfang zunimmt, wurde von Kassowitz widerlegt, der viel- mehr eine von der Geburt an stets fortschreitende Verkleinerung fand. Der vollständige Schluss erfolgt gegen den 15. bis 18. Lebensmonat. Doch sind die Fälle nicht ganz selten, in welchen die Fontanelle noch bin in's dritte Jahr hinein eine mit der Fingerspitze zu bedeckende häutige Stelle zeigt, die man nicht ohne weiteres als eine krankhafte Erscheinung ansehen darf. Alle sonstigen AbAveichungen aber, insbe- sondere ein grösseres und noch länger sich hinziehendes Offenbleiben der grossen oder kleinen Fontanellen, Auseinanderklaffen der Suturen, unge- wöhnliche Eindrückbarkeit der Knochenränder müssen als pathologische aufgefasst werden und sollen später bei der Betrachtung der Rachitis berücksichtigt werden. Dasselbe gilt von den Anomalien der Kopfform, die mit-gewissen Krankheiten (Rachitis, Hydrocephalus) in Connex stehen, während die individuellen Verschiedenheiten der Schädelforra, welche nicht durch Krankheiten, sondern nur durch Anomalien des Knochen- wachsthums bedingt sind (Asymmetrie, Schiefstellung der Medianlinie, Dolichocephalus u. s. w.), das Idinische Interesse nur dann in Anspruch nehmen dürften, wenn sich gleichzeitig Symptome eines Oerebralleidens (Hemiplegie, Contracturen, Zurückbleiben der Intelligenz) nachweisen lassen. Als eine Hauptdifferenz von Erwachsenen müssen Sie immer die Thatsache festhalten, dass bei Kindern in den beiden ersten Lebens- jahren der Umfang des Schädelgewölbes den des Gesichts so bedeutend überwiegt, dass das Verhältniss etwa wie 6 : 1 (bei Neugeborenen sogar 8 : 1) bei Erwachsenen wie 2V2 • 1 angegeben wird. Man hat dies wohl zu beachten, um die Aengstlichkeit vieler ]\Iütter, welche ihre Kinder für hydrocephalisch halten, beruhigen zu können, besonders in Fällen, wo das erwähnte Miss verhältniss (Iuit'Ii rachitische Weichheit und Ver-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21219084_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


