Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende.
- Henoch, E. H. (Eduard Heinrich), 1820-1900.
- Date:
- 1897
Licence: Public Domain Mark
Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University Libraries/Information Services, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University.
43/914 page 29
![ist (liosc l]r,schoiniing' haJd mehr, bald weniger entwick<dl, iiiu! wird nin so begreiflicher, als in diesem Alter auch schon iiri gesunden Zusia-nd der Refleximpuls ein überwiegender ist. Nach den an neugeborenen Thieren angestellten Experimenten von Soitniann sollen in der (^-sten Zeit des Lebens überhaupt alle Bewegungen ohne den Einfluss des AVillens nur auf reflectorischem Wege zu Stande kommen, und alle die Reflexaction hemmenden Centra im Gehirn und Rückenmark noch fehlen. Daraus würde sich dann die Häufigkeit reflectirter Krämpfe bei diesen Kindern im Vergleich mit dem späteren Lebensalter erklären lassen, nicht aber die Ursache, welche dieser nngebändigten Reflexaction gerade die eigenthümliche und bedrohliche Form des Trismus aufprägt. Dieser liegt wohl die P]inwirkung des Tetanusbacillus und seiner Stoffwechsel- producte zu Grundei). Auf irgend eine Weise, durch unreine Hände, Verbandstofi'e, gelangen diese Bacillen in die offene Nabelwunde, und entfalten von hier aus ihre verderblichen Wirkungen. Was man früher als Ursache des Trismus neonatorum ansah, traumatische Einflüsse (zumal solche, die den Nabel treffen, rituelle Beschneidung u. s. w.), ferner thermische Schädlichkeiten (Erkältung durch zu frühzeitiges Austragen bei strenger Kälte, zu heisse Bäder), dies alles wird jetzt in Abrede gestellt, obwohl Thatsachen berichtet werden, welche mit der rein bacillären Anschauung nicht recht vereinbar scheinen. Dahin gehören die Fälle von Trismus, welche durch Hebammen, die des Tem- peratursinns ermangelten und dem Neugeborenen Bäder ohne Zuhülfe- nahme des Thermometer bereiten, veranlasst wurden, z. B. in Elbing, wo in der Praxis einer Hebamme Trismus Jahre lang vorkam und Hun- derte von Neugeborenen hinraffte. Schliesslich ergab sich, dass die Hebamme ein Badewasser von 33 von einem 28 gradigen nicht unter- scheiden konnte, und erst die Anwendung des Badethermometer machte dieser „Epidemie von Trismus ein Ende^). Auch die behauptete Ent- stehung durch verdorbene Luft (Thrandunst in Island, Gebärhaus in Dublin, aus welchem der Trismus durch gute Ventilationsvorrichtungen vertrieben worden sein soll), sowie das epidemische Auftreten auf einigeji westindischen Liseln, sind mit der bacillären Entstehungsweise schwer zu vereinbaren. Es wäre also möglich, dass neben der infectiösen Form noch eine äusserlich sehr ähnliche besteht, welche auf anderem Wei;e zu 1) Beumer, Berl. Kl. AVochenschr. 1887. No. 31. — Peiper, Centralbl, f. klin. Med. 1887. No. 42. — Deutsche med. Wochenschr. 1889. 8. 217. — Deutsches 7\.rcliiv f. kl. Med. Bd. 47. — Kitasato, Baginsky, Berl. kl. Worhenschr. 1891. No. 7. — Papiewsld, Jahrb. f. Kinderheilk. Bd. 37. S. 39. -) Bohn, Jahrbuch f. Kinderheilk. Bd. 9. S. 307.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21219084_0043.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


