Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende.
- Henoch, E. H. (Eduard Heinrich), 1820-1900.
- Date:
- 1897
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Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
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![ki'aiikhciliMi, der l^yämie. Septicäinie, dos Typlins ii. s. w. auftritt, bald als ziinächsi locaJc, von einer Verletzung- ausgehende Kranklieit parasi- tärer Natur, so glaube ich auch beim Erysipelas neonatorum zwei Formen unterscheiden zu müssen. Die eine und zwar die schlimmste ist an Jone [)uoi-])orale Infcction der Neugeborenen gebunden, deren Er- scheinungen in ilirer mannigfachen Form sich hier mit denen des Ery- sipelas verbinden, schneller Verfall, hohe Temperatur (bis 4P), Icterus, Erbrechen und Durchfall, Entzündungen verschiedener seröser Membranen (Pleura, Peritoneum, Gelenke), Convulsionen, Sopor. Diese Form ist es, welche bei den Kindern von Frauen vorkommt, die an Puerperalfieber leiden oder bereits daran zu Grunde gegangen sind; in grösserer Ver- breitung wurde sie daher in Gebär an stalten beobachtet, in denen Epidemien von Puerperalfieber herrschten. Die zweite Form hat mit dieser puer- peralen Infection nichts zu schaffen, wenigstens lässt sich ein Zusammen- hang mit einer mütterlichen Erkrankung dieser Art nicht nachweisen. Irgendwo am Körper besteht eine Verletzung, sei sie auch noch so unbedeutend, welche der Ausgangspunkt der Rose wird. Es entwickelt sich durch Streptococceninvasion ein Erysipel mit der bekannten Tendenz zum Wandern. Wie zu manchen Zeiten, besonders in Krankenhäusern, die ver- schiedensten Wunden leicht zum Erysipelas Anlass geben, während dies zu anderen Zeiten nur selten oder gar nicht geschieht, so zeigen auch die am Körper der Neugeborenen befindlichen Traumen unter der Ein- wirkung einer verdorbenen Luft, der Unreinlichkeit und infectiöser Ein- flüsse eine-besondere Neigung, Ausgangspunkte des Erysipelas zu werden. Deshäib' begegnet man diesem weit seltener in der Privatpraxis unter günstigen Familienverhältnissen, als unter den Armen. Aber auch bei der besten Pflege und den günstigsten Lebensbedingungen kann das Ery- sipelas sich entwickeln. Als Beispiel will ich nur den Fall eines jüdi- schen Knaben aus sehr wohlhabender Familie anführen, bei welchem ich die Rose nach der Beschneidung vom Penis ausgehen sah; allmälig wanderte sie über den ganzen Körper, hatte nach 14 Tagen einen um- schriebenen Brand des Scrotum, dann einen colossalen Abscess am Rücken zur Folge, und führte schliesslich unter allgemeinem Collaps, Icterus und peritonitischen Symptomen zum Tode. Von einer Puerperal- infection konnte hier keine Rede sein. Auch die zweite Form kann schon in den ersten Tagen nach der Geburt beginnen. Mitunter geschieht dies indess viel später. So sah ich bei dem Kinde einer noch nicht ganz 16jährigen Mutter, welches auf den Boden gefallen wai-, die Rose erst am 15. Tag nach der Ge-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21219084_0053.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


