Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende.
- Henoch, E. H. (Eduard Heinrich), 1820-1900.
- Date:
- 1897
Licence: Public Domain Mark
Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University Libraries/Information Services, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University.
83/914 page 69
![Einflüssen die Atrophie vorzugsweise sich ausbildet, die Verbesserung der Wohnräume, die Schaffung von Luft und Licht für die erste Lebens- zeit, die j\Iöglichkeit für die Mütter, ihre Kindei- selbst zu nähren und zu pflegen, sie nicht fremden Lländen anvertrauen zu müssen, welche für kärglichen Lohn entweder Versäumung der übernommenen Pflicht oder gar noch schlimmere Dienstleistungen bieten, die, wenn man ihre Ab- scheulichkeit beweisen könnte, der Schärfe des Strafgesetzes unterliegen würden. Die humanen Bestrebungen unserer Zeit, die vielfache Theil- nahme, welche das Loos der unglücklichen kleinen Geschöpfe gefunden, haben allerdings das Listitut der „Engelmacherinnen, welches ich eben berührte, mehr und mehr verdrängt. Findelhäuser, Krippen, Kinder- schutzvereine sind an vielen Orten, zum Theil mit Munificenz, errichtet worden und ihre segensreiche Wirksamkeit ist nicht gering anzuschlagen. Aber das Alles ist doch bei weitem nicht im Stande, dem Pauperismus und seinen Folgezuständen im Grossen beizukomraen, und so bleibt die Lösung unserer scheinbar beschränkten Aufgabe, d. h. die Behandlung der kindlichen Atrophie, eng verbunden mit der Lösung des grossen so- cialen Problems. Sie werden sicli in der Praxis bald überzeugen, dass die Behandlung unter den geschilderten Verhältnissen nur geringe Erfolge aufzuweisen hat, dass alle Ihre Anordnungen an der Unmöglichkeit der Ausführung oder am bösen Willen der Umgebung scheitern, und dass Sie sich daran gewöhnen müssen, alljährlich eine grosse Anzahl solcher Kinder verkümmern uud ins Grab sinken zu sehen, ohne die Sache ändern zu können. Am traurigsten stellt sich das Ergebniss in den Anstalten heraus, in welchen eine grössere Zahl atrophischer Kinder gleichzeitig untergebracht ist, in den Krankenhäusern und Kinderasylen aller Art; nur Findelhäuser, welche dem Zerstreuungssystem huldigen, d. h. den grössten Theil ihrer Lisassen aufs Land in Pflege geben, können bessere Resultate erzielen. Bei dieser Sachlage muss ich mich auf die Erörterung desjenigen Moments beschränken, welches allerdings in erster Reihe steht und am besten noch vom rein ärztlichen Standpunkt aus in Angrilf genommen werden kann, nämlich die Ernährung. Ueber die natürliche Er- nährung durch die ]\lutter- oder Ammenbrust habe ich nur wenig zu sagen. Da ich hier keine Vorträge über Diätetik der Kinder, sondern über ihre Krankheiten halte, so kann ich auf die Physiologie der Er- nährung, auf die Beschaffenheit der Muttermilch, die AVahl der Ammen u. s. w. nicht näher eingehen. i\.lle diese Dinge kommen für mich nur in ihrer Beziehung zu pathologischen Zuständen in Betracht, und da muss ich denn zunächst bemerken, dass auch bei der natürlichen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21219084_0083.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


