Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende.
- Henoch, E. H. (Eduard Heinrich), 1820-1900.
- Date:
- 1897
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Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
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![Erncährungsweise die Kinder atrophisch werden können, wenn die genos- sene Milch anhaltend dyspeptische Störungen, d. h. Erbrechen oder Diarrhoe erzeugt, wodurch die Resorption der für die normale Ernährung nothwendigen Stoffe Einbusse erleidet. Andererseits kommen bisweilen Fälle vor, wo die Milch einer Amme gerade dem Kinde, welches sie säugen soll, nicht zusagt, dasselbe vielmehr anhaltend an Verdauungs- störungen leidet, oder auch, ohne dass letztere einen erheblichen Grad erreichen, in seiner Entwickelung nicht vorwärts kommt. Dieselbe Amme säugt dann nach ihrer Entlassung ein anderes Kind mit dem besten Er- folg, so dass man nicht eine etwa vorhandene anomale Beschaffenheit der 31ilch, sondern eine eigenthümliche Idiosynkrasie des ersten Kindes annehmen muss, welches, nachdem es eine andere Amme erhalten, prächtig gedeihen kann. Auch beim Selbststillen der Mutter kommen mitunter wunderliche Dinge vor; so beobachtet man, dass eine Mutter, welche bereits ein oder mehrere Kinder mit dem besten Erfolg gesäugt hat, ein später geborenes Kind von der Brust absetzen muss, weil ihre Milch gerade diesem nicht bekommt, ohne dass man irgend eine Ur- sache dafür auffinden kann. Bemerkenswerth ist noch, dass Säuglinge im Allgemeinen es gut vertragen, wenn ihnen neben der Muttermilch ein paar Mal täglich und allenfalls noch in der Nacht gute verdünnte Kuh- milch aus der Saugflasche gereicht wird, ein Verfahren, welches ich übri- gens nur beim Selbststillen der Mutter, nicht aber einer Amme gegen- über für gerechtfertigt halte. Auch der Eintritt der ]\Ienstruation oder der Schwangerschaft^) bei den Säugenden wird in vielen Fällen nicht störend sein, muss aber immer vorsichtig machen. Hier wird allein die Erfahrung entscheiden. Treten beim Säugling Verdauungsstörungen, Erbrechen oder Diarrhoe ein, und zwar nicht nur in vorübergehender Weise, sondern immer wiederkehrend, zeigt die Zunahme des Kürper- gewichts einen Stillstand oder nimmt dasselbe gar ab, so darf man nicht zögern, einen Wechsel der Säugenden vorzunehmen. Um aber die Ge- wichtsabnahme frühzeitig zu erkennen , muss man allwöchentlich wenig- stens einmal eine sorgfältige AVägung des Kindes vornehmen, deren Re- sultate allerdings mit grosser A^orsicht in Bezug auf einflussreiche Neben- umstände, (wie Kleidungsstücke, Füllung des Magens oder Darmkanals, der Blase) zu beurtheilen sind. Diese Wägungen sind im Allgemeinen nur in Anstalten oder in der Privatpraxis anwendbar; in dem weitaus grössten Theil der Fälle, welcher gerade in die poliklinische oder Armen- 1) Poirier (These. Paris 1890; fand trotz eingetretener Gravidität die Säng- linge in 74pCt. gcsnnd; nur 19,6pCt. vertrugen die Milch nicht mehr.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21219084_0084.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


