Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende.
- Henoch, E. H. (Eduard Heinrich), 1820-1900.
- Date:
- 1897
Licence: Public Domain Mark
Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University Libraries/Information Services, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University.
90/914 page 76
![Kinde, welches keine Kuhmilch vertrug, inifl bei dem ich der zunehmen- den Atrophie wegen consultirt wurde, trotz des schon Wochen lang ge- gebenen Xestle'sehen Mehls ujid trotz der verschiedensten Mittel eine hartnäckige Diarrhoe, welche die Atrophie natürlich steigerte, fortbestehen. Ich entdeckte nun, dass das in einer Blechbüchse enthaltene ]\Iehl nicht, wie CS sein soll, nach Zwieback, sondern abscheulich nach altem Käse roch und liess sofort eine andere frische Büchse holen, deren Inhalt nun sehr gut vertragen wurde. Ich bin übrigens keineswegs für diese Substanz ausschliesslich eingenommen, glaube vielmehr anderen ähnlichen Kindermehlen ziemlich den gleichen AVerth zusprechen zu dürfen'). Das Lucrative des Geschäfts bewirkte, dass die Welt mit immer neuen Präparaten dieser Art beglückt wurde, welche sich in dem Bestreben, der Frauenmilch so nahe als möglich zu kommen, gegenseitig den Eang abliefen. Diese Zeit scheint jetzt vorüber zu sein, nachdem die Mode sich auf die eigentlichen Milchpräparate geworfen hat. Ein vortreffliches Unterstützungsmittel für die Ernährung atrophi- scher Säuglinge ist der Wein, besonders der unverfälschte Tokayer- wein. Ob andere Weinsorten, wie Xeres und Malaga, die auch vielfach gegeben werden, als gieichwerthig zu betrachten sind, lasse ich dahin- gestellt. Ich ziehe immer den altbewährten üngarwein, von dem mein unvergesslicher Lehrer Romberg zu sagen pflegte, dass er nicht nur ein ,,lac senile, sondern auch ein „lac infantile sei. allen andern Sorten vor. In den ersten Lebensmonaten gebe man 20 bis 25 Tropfen drei- bis ^dermal täglich, rein oder in einem Theelöffel Wasser; später kann man die Dosis bis auf ein paar Theelöffel und mehr pro die steigern. Gleichzeitig lasse man täglich ein laues Wasserbad von 27 bis 28 ^ R. nehmen, dem man bei zunehmender Schwäche aromatische Aufgüsse (am besten ein paar Hände voll Chamillen und Calmus mit heissem Wasser infundirt) zusetzen mag. Gut gelüftete Kraukenzimmer, strenge Reinlichkeit, pünktliche Sorgfalt in der Pflege — alles das sind und bleiben leider zu oft pia desideria, welche nur in der Minderzahl der Fälle zu erfüllen sind. Von Arzneimitteln haben Sie bei Atrophie nichts zu erwarten. Nur bei deutlich erkennbarer Complication mit' Affectionen der Respirations- organe oder des Darmkanals besteht eine Indication zur Anwendung der- selben, wobei indess bemerkt werden muss, dass leichtere dyspeptische Erscheinungen (Erbrechen, anomale, übelriechende, schlecht verdaute 1) Heubner (Berl. Min. Wochenschr. 1895. No. 10) giebt sogar dem gewöhn- lichen Keis- und Hafermehl den Vorzug.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21219084_0090.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


