Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende.
- Henoch, E. H. (Eduard Heinrich), 1820-1900.
- Date:
- 1897
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![wenn er im Pharynx nocli so stark cntwickolt isi. sich doch fast nie in die Nasenhöhle verbreitet, ebensowenig in Fällen, wo Gaumenspalten eine directe Communication zwischen Mund- und Nasenhöhle vermitteln. Wohl aber findet man ihn bisweilen auf der Schleimhaut der Glottis in Form kleiner Häufchen oder Streifen. Da dies die einzige Stelle der respi- ratorischen Schleimhaut ist, welche von Soor befallen wird, so nimmt man an, dass nicht das Flimmer-, sondern nur Pflastererepithelium den geeigneten Boden für die Entwickelung der Pilze bildet. In den Lungen fand man Soor nur in vereinzelten Fällen, wahrscheinlich durch Aspiration von Soorkeimen aus dem Pharynx entwickelt. Untersucht man die Beziehungen des Soorpilzes zu der unterliegenden Schleimhaut genauer, so ergiebt sich, dass ein Theil der Pilze oberflächlich zwischen den Epithelialzellen liegt, ein anderer tiefer in das Gewebe dringt, in welches die Fäden perpendiculär eintreten (Wagner^), Parrot). Diese Thatsache erklärt auch den bisweilen bedeutenden Widerstand, welchem man beim Versuch, Soorflecke abzulösen, begegnet. Dass die Pilze durch den Blutstrom auch in andere Theile des Gefässsystems übertragen werden können, scheint aus einzelnen Beobachtungen [Zenker, Ribbert, Schmorl^)], in denen sie im Gehirn und in den Nieren gefunden wurden, und aus den Experimenten von Stooss (intravenösen Injectionen von Soor) hervorzugehen. Auf einer völlig gesunden Mundschleimhaut scheint Soor nicht vorzukommen, wenigstens nie zu erheblicher Ausdehnung zu gelangen. Selbst in den Fällen unseres ersten Grades muss wohl eine Reizung der Mucosa durch zu starkes Reiben beim Auswaschen des Mundes, auch wohl durch Reste von Milch, die sich zersetzen und der Entwickelung der Keime einen günstigen Boden bereiten, angenommen werden. Deut- licher sieht man dies in den weit häufigeren Fällen des zweiten Grades« Hier geht immer Trockenheit und dunkele Röthe der Mundschleimhaut voraus, die Zunge wird durch Vorspringen der Papillen rauh, und an diesen Stellen beginnt zunächst die Pilzbildung, welche durch den Mangel an Alkalescenz gefördert wird. Auf diese Beziehung machte ich schon früher aufmerksam; die ausserordentliche Geringfügigkeit der Speichel- secretion in den ersten Monaten muss Säurcbildung im Mund und Trockenheit der Schleimhaut begünstigen. Aber man weiss jetzt, dass 1) Jahrb. f. Kmderheilk. 1S68. Bd. 1. S. 58. — Heller, Deutsch. Arch. 1'. kl. Med. Bd. 55. S. 123. 1895. 2) Berl. klin. Wochenschr. 1879. S. 618. — Centralbl. f. Bacteriol. VII. 1890. — Guidi (Revue mens. Aout 1896) will auch Soorinetastasen in den Bronchial- drüsen und in der Parotis beobachtet liaben.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21219084_0094.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


