Schiller's Schadel und Todtenmaske : nebst Mittheilungen uber Schadel und Todtenmaske Kant's / von Hermann Welcker.
- Date:
- 1883
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Credit: Schiller's Schadel und Todtenmaske : nebst Mittheilungen uber Schadel und Todtenmaske Kant's / von Hermann Welcker. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Doch hat man, wenn man die Maske (Taf. II) von der Seite mustert, sofort den Eindruck, dass das Hinterhaupt zu klein sei. Die Stirn, das Ohr, die vordere Fläche des Halses sind, wie das fast alhvärts mit abgeformte Detail der Hautoberfläche nachweist, unzweifelhaft acht; Schei- tel und Hinterhaupt schienen mir (und nach Allem, was vorlag, musste ich zunächst an dieser Ansicht festhalten) aus freier Hand hinzugefügt. Der ei ste vergleichende Blick auf Maske und Schädelabguss, an dessen Aechtheit ich nicht zweifeln durfte, bestätigte, dass das mächtige Hinter- haupt Schiller's in dem engen Umfange des Hinterkopfes der Maske nicht Raum habe. Auch die Schwabe'sche Maske war, so schloss ich, als sie aus der Form kam, ein schalenförmiges Stück Gyps (von der Gestalt etw a einer Larve); das Hinterhaupt wurde, nachdem der Abguss aus der Form gelöst war, aus freier Hand hinzugefügt, und es ist dasselbe viel zu klein gerathen. In noch höherem Grade scheint das Hinterhaupt Schiller's verkürzt in den Dannecker'sehen Büsten. Vor Allem die Kolossalbüste zeigt ein mächtig grosses Gesicht und ein kleines, abgeflachtes Hinterhaupt. Ein gewaltiger Kopf mit verkümmertem Geliirntheil. leli weiss sehr wohl, wie sehr die nächsten Freunde Schiller's, vor Allen seine Gattin, an der Dannecker'schen Büste sich erbaut haben; sie haben sich an den Gesammteindruck, an den Ausdruck des Auges, den Mund und andere wohlgetroffene Züge gehalten. Dennoch darf es gesagt werden, sofern es um eine Portraitbüste sich handelt: wer das Ganze der Erscheinung eines Menschenhauptes ins Auge zu fassen gewohnt ist, wer das Charakteristische erkannt hat, das auch in der Linie des Hinterhauptes liegt, wird sich so wenig, wie beliebige Veränderungen der Gesichtsform, eine derartige Verkümmerung und Umformung des Kopf- baues gefallen lassen. Wir sind in allen Künsten mit Recht strenger, naturalistischer ge- worden. In einer früheren Zeit setzte der Maler ohne Bedenken an be- liebige Stellen, wo er sie gerade brauchte, Blätter oder Blüthen an einen Zweig; die Schimper-Braun'schen Gesetze der Blattstellung waren für ihn nicht entdeckt. Und was kümmern auch den ideal schaftenden Künst- ler pedantische Regeln? Doch mit Dichten sollte es so sein. Beruht doch auf der Blattstellung die gesammte Astfolge und ganz wesentlich das, was man Baumschlag nennt, und nicht die von der Natur abgelösten Kunstkenner und Enthusiasten, sondern die Kenner der Natur besitzen den ächten Maassstab und die vollste Genussfähigkeit für die Werke der Kunst. Schon Sömmcrring tadelte mit Recht, dass es nicht ein einziges Zeichenbuch gebe, „welches ein Auge im Profil hinreichend richtig dar- stelle, dass er wenig Kupferstiche kenne, „welche eine Augenbraue so richtig abbildeten, dass Jedermann darin eine Augenbraue, nicht irgend ein willkürlich gelegtes Haarbüschel erkennen müsste ]). x) S. T. Sömmerring, Abbildungen des menschlichen Auges, 8. 1. 1*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21973878_0019.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)