Schiller's Schadel und Todtenmaske : nebst Mittheilungen uber Schadel und Todtenmaske Kant's / von Hermann Welcker.
- Date:
- 1883
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Credit: Schiller's Schadel und Todtenmaske : nebst Mittheilungen uber Schadel und Todtenmaske Kant's / von Hermann Welcker. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Ich habe bereits oben einige wohl nicht anerhebliche Einwürfe in Besag auf Schwabe's Recognoscirung des Schillersehädels gemacht. Es ist nöthig, auf die Entscheidungsgründe Sehwabe's noch näher einzu- gehen, loh lasse hierbei die Frage, ob der Schädel nicht vielleicht doch— aus Gründen, welche der Cognition Sehwabe's und seiner Berather sich entziehen mussten — der richtige sein könnte, ausser Betracht und beur- theile nur die Frage: Mit welchem Rechte wurde der Schädel von Schwabe als der Schädel Sc hiller's angenommen? Bei Sehwabe's Recognoscirung war, wie ich zeigte, die Annahme, dass Schillers Schädel der grosseste der 23 aufgefundenen sein müsse, und dass derselbe sein „vollständiges Gebiss besass, das vor Allem, um nicht zu sagen das einzig Entscheidende. Denn so grosser Werth aul die „Uebereinstimmung mit der Maske angeblich gelegt wurde — in Wahrheit wurde die Maske kaum benutzt; denn gerade die Maske konnte die Aechtheit des gewählten Schädels nicht erweisen, sie hätte im Gegen- theile unter den Voraussetzungen Sehwabe's zur Verwerfung jenes Schädels führen müssen. Wir dürfen zugeben, dass Schiller's Körper» grosse die ansehnlichste aller Mitbegrabenen war1), und es ist gleichfalls wie oftmals berichtet wird, und die Darstellung eines Publicisten und Dichters (J. von der Traun, Exemtionen eines Oesterreichers, Leipzig 1881, I, 246): „Es waren Goethe's Einwirkung und die edeln Empfindungen des Gross- herzogs Carl August, welche im Jahr 1826 die Uebertraguug von Schil- ler's Leiche (sie) aus dem Landschaftskassengewölbe auf dem St. Jacobskirch- hofe in die neue Fürstengruft veranlassten — ist kaum weniger incorrect, als die mit der Miene sublimster Mitwissenschaft ge- machten Angaben von C. G. Carus (Atlas der Cranioskopie, Heft I): „Als die irdischen Ueberreste Schiller's in die Fürstengruft beigesetzt werden sollten, musste, um sich zu überzeugen, dass man die ächten Ueber- reste gefunden habe, der Sarg geöffnet werden (welcher Sarg?). Bei dieser Gelegenheit veranlasste Geheim-Rath von Goethe, dass von dem an Ueberein- stimmung mit der Todtenmaske und einer einzigen Zahnlücke erkannten Schä- del eine genaue Gypsform genommen wurde — oder eine angeblich auf Mittheilungen Eck ermann's beruhende Darstellung (Schwabe, S. 134): „Der Grossherzog habe im Jahre 1826 Goethe beauftragt, Schiller's Ge- beine aus dem Grabe nehmen zu lassen. Bei der Eröffnung des Grabes habe es sich gefunden, dass die Scheidewände zwischen demselben und drei ande- ren Gräbern eingestürzt — u. s. f. oder eine Darstellung, welche nach einem Artikel der „Grenzboten (1845) das Schillerbuch giebt: „Als der Kanzler v. Müller auf die Idee gerieth, eine Apotheose Schiller's dadurch auszuführen, dass der Schädel dem Untergange entrissen und in der fürstlichen Bibliothek als eine heilige Reliquie aufbewahrt werden solle, konnte Schiller's Sarg nicht aufgefunden werden — und somit entstand aller- dings der Zweifel, welche der vorhandenen Ueberreste Schiller angehören; doch war man der Meinung, dass bei der eigenthümlicheu Formation von Schiller's Kopf jener Zweifel beseitigt werden würde, und der damalige Bür- germeister Schwabe übernahm das mühevolle Geschäft, durch eine genaue Untersuchung alles aufzubieten, um wenigstens das Wichtigste von Schiller's Ueberresten, den Schädel, aufsuchen zu lassen. Der Schädel, an welchem sich noch einige blonde Locken zeigten (!) „befand sich einige Zeit bei Goethe — u. s. f. ]) Er war „der grosseste Mann in Weimar, 6 Fuss 2 Zoll hoch (Hoffmei- ster, Schiller's Leben, herausgegeben von Viehoff, III, 38); — „auf der Akade- mie war sein Körper gerade um % gewachsen; er maass jetzt (Ende 1780 — im 21. Jahre) beinahe 5 Fuss 9 Zoll Rheinisch (Düntzer, Schiller's Leben, S. 87). 2*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21973878_0035.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)