Über Cholera auf Schiffen und den Zweck der Quarantänen / von Max v. Pettenkofer.
- Max Joseph von Pettenkofer
- Date:
- 1872
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Credit: Über Cholera auf Schiffen und den Zweck der Quarantänen / von Max v. Pettenkofer. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![der Gefäugnissbevölkerung in der kalten Faust der Cholera und nahezu 25 Proc. starben entweder im Anfall selbst oder im nachfolgenden typhoiden Stadium. Dieser Ausbruch auf dem Lande übertrifft gewiss noch in hohem Maasse den Ausbruch auf der See auf der „Britannia, auch ohne das Schliessen aller Luken, in einem Gefängnisse, das als Muster der Rein- lichkeit galt. Wer könnte wagen zu bestreiten, dass erfahrungsgemäss Reinlichkeit und Luftwechsel bei allen Krankheiten nützlich und heilsam, und das Gegentheil schädlich ist, aber dass diese wichtigen hygienischen Momente bei specifischen Krankheiten doch nicht entscheidend sind, sieht man nirgends deutlicher als bei der Cholera, und namentlich bei der Cholera auf Schiifen. Ich mache hier darauf aufmerksam, dass sich dieser Satz nicht deutlicher in Thatsachen aussprechen kann, als das im Verlauf der Cholera auf dem „Oriental und auf dem „Durham geschehen ist. Auf dem „Oriental, welcher 1859 Ende Juni Truppen von Bombay nach Mauritius führte, war ein beträchtlicher Theil der Mannschaft auf dem obersten Deck untergebracht; der erste Cho- lerafall und dann die grosse Mehrzahl aller Fälle kam gerade unter Leuten auf diesem Decke vor, welches die vollkommenste Ventilation hatte. Auf dem „Durham hingegen, welcher im März 1866 Truppen von Calcutta nach England zu bringen hatte, schlief wegen der grossen Hitze auch fast die Hälfte der Mannschaft auf dem Decke, aber da wurde keiner von diesen Leuten von Cholera ergriffen, sondern nur die anderen. — Auch die'ziem- lich heftige Epidemie auf dem „Renown verlief während des besten Wetters, bei vortrefflicher Ventilation. p]in bemerkenswerther Versuch, den contagionistischen Standj^uukt in der Cholerafrage auch gegenüber der unleugbaren Thatsache der vergleichs- weisen Lx)munität der Schiffe festzuhalten und diese Thatsache auf Rechnung der individuellen Disposition, auf das sogenannte Durchseuchtsein zu schrei- ben, ist von der Choleraconferenz in Constantinopel gemacht worden *). Mehr auf theoretische Annahmen als auf thatsächliehe Nachweise gestützt wird der Satz ausgesprochen: „Enge des Raumes, schlechte Ventilation, Unmög- lichkeit die Kranken hinlänglich zu isoliren, die daraus erfolgende Infection machen, dass ein mit Menschen überfüUtes Schiff das beste Mittel abgiebt, eine Epidemie zu begünstigen und bei ihrem Erscheinen zu nähren. Die Commission setzte damals noch die Behauptung' bei: „Die Erfahrung über diesen Punkt ist im Einklang mit der Theorie, aber man müsse imterschei- den zwischen Schiffen, welche aus einem Choleraherde kommen, d. h. welche Personen an Bord führen, welche schon mehr oder weniger lange in einem Orte verweilten, wo die Cholera herrscht, und zwischen Schiffen, welche eine Mannschaft und Passagiere an Bord haben, welche dem Einflüsse der Cholera noch nicht ausgesetzt waren, und welche nun mit einem Choleraorte verkehren. Bei den ersten fordere die Cholera auch bei der grössten Ueberfüllung nur wenige Opfer, wenn sie sich zeigt, — es gehe mit wenigen Fällen ab und sie verschwinde bald ganz, — in der Regel aber zeige sie sich gar nicht. Für diesen Satz nun werden die Erfahrungen in den türkischen Quarantänen *) Rapport sur les questions du Progiamme etc. pag. 48 und 49. Ebenso A. Fauvel, le Cholera etc. pag. 27 bis 29.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2230471x_0034.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)