Über Cholera auf Schiffen und den Zweck der Quarantänen / von Max v. Pettenkofer.
- Max Joseph von Pettenkofer
- Date:
- 1872
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Credit: Über Cholera auf Schiffen und den Zweck der Quarantänen / von Max v. Pettenkofer. Source: Wellcome Collection.
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![gedauert, was nicht recht wahrscheinlich ist. Es ist viel wahrscheinlicher, dass auf der Ueberfahrt von Alexandria nach Malta Infectionen stattgefun- den haben. In diesem Falle hat es sich sogar thatsächlich erwiesen, dass der „Wyvern wirklich nicht nur cholerakrauke und in Alexandria inficirte Passagiere, sondern auch noch Infectionsstoff an Bord führte. Am 6. Juli, an welchem Tage die Epidemie der Passagiere des „Wyvern ihren Höhe- punkt erreichte, erki-ankte auch ein Quarantänediener, und zwar der näm- liche, welcher am 28. Juni bei der Ankunft in Malta eine Cholerakranke vom Schiff ins Spital getragen hatte. Es scheint unzweifelhaft zu sein, dass von den 35 Schiffen, welche vom 14. Juni bis 31. Juli von Alexandria in Malta einliefen, nur zwei („Wyvern und „Greecian) Infectionsstoff an Bord hatten, die übrigen 33 nicht. Nur der Verkehr mit diesen beiden Schiffen hatte in Malta in der Quarantäne Fälle geliefert. Solche Fälle, dass auf den angekommenen Schiffen beschäf- tigte Malteser darnach in die Quarantäne wanderten, sind ausserdem noch an 138 Personen vorgekommen, und neben diesen waren im Lazarette ab- wechselnd 134 Quarantänediener beschäftigt, aber vom gesammten Malteser Quarantänepersonal erkrankten nur die Kohlenarbeiter des „Greecian, und ein Quarantänediener, der mit dem „Wyvern in nähere Berührung gekom- men war. Der „Wyvern ist auch ein deutlicher Beleg dafür, dass die Passagiere keinen Infectionsstoff vom Schiff mit in die Quarantäne gebracht hatten. Das Lazaretto wurde gerade damals sehr überfüllt, am 7. Juli erreichte die Zahl der Quarantänirten die höchste Ziffer 1359, und eine vollständige Isolirung in der überfüllten Anstalt war unmöglich, es wurden auch wegen allmäligem Mangel an Raum mehrfache Transferiruugen vorgenommen, aber nirgends vermochten die Passagiere des „Wyvern ihre Infection, die sie im Leibe hatten, anderen Personen oder Räumlichkeiten mitzutheilen. Das ist aber gewiss nicht immer der Fall, denn ebenso gut, als in irgend einer noch unbekannten Weise der Infectionsstoff vom Lande aufs Schiff, kann er auch vom Schiffe aufs Land getragen werden. Es scheint Verhält- nisse zu geben, unter welchen ^grössere und kleinere Mengen verschleppt wer- den, ich erinnere hier an ein paar Fälle, die in dem Berichte von Friedel über die englische Marine gleich Eingangs erwähnt worden sind: „Ein am Lande gewesener Officier erkrankte nicht gleich selbst, sondern sein an Bord gebliebener Bursche; nicht der beurlaubte Proviantmeister, sondern dessen nicht beurlaubter Gehülfe. Die grosse Thatsache, welche jetzt vor uns liegt, ist in kurzen Worten die: p]rfahrungsgemäss wird selten CholerainfectionsstofF vo*n Laude mit auf ein Schiff genommen, aber in seltenen Ausnahmsfällen doch so viel, dass sich so heftige Epidemien auf Schiffen, wie sonst nur auf dem Lande ent- wickeln. Worin besteht nun der Unterschied zwischen Schiffen, welche unverkennbar (wie .,(Treecian u. a.) Infectionsstoff an Bord führen, und zwischen solchen (wie „Rhone u. a.), welche nicht inficirend wirken, welch letztere die grosse Mehrzahl bilden? An welchen Gegenständen haftend wird der Infectionsstoff vom Lande her an Bord gebracht? Ich dächte, dieser Unterschied wäre herauszubringen, wenn man unver- drossen, ernstlich und mit einigem Geschick darnach sucht. Um dieses](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2230471x_0044.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


