Die Störungen der Sprache : Versuch einer Pathologie der Sprache / von Dr. Adolf Kussmaul.
- Adolf Kußmaul
- Date:
- 1881
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Credit: Die Störungen der Sprache : Versuch einer Pathologie der Sprache / von Dr. Adolf Kussmaul. Source: Wellcome Collection.
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![Rosenthal'), Violette2), Chervin^), Wyneken4), Coen^j und Schrank^}. Auch die Physiologen Ch. Bell, Marshall Hall, J. Müller versuchten in das Wesen des Stotterns einzudringen. — Die Literatur über diesen Sprachfehler ist in's Ungeheuere angewach- sen, da fast jeder Besitzer einer Heilanstalt für Stotternde es für an- gezeigt hält, im Interesse derselben als Autor aufzutreten. Diese Ab- handlungen haben den Durchschnittswerth der balneologischen Schriften. Ausserdem theilten eine Menge stotternder Aerzte und Laien ihre Er- fahrungen an sich und Anderen mit. Becquerel, Merkel, Wy- neken, Coen sind Beispiele von Aerzten, die ihr Gebrechen zum Gegenstande ihres Studiums machten. Was die Terminologie betrifft, so scheinen die Alten die Worte: Haesitatio linguae s. vocis, ßuTTUQia/.idg, lo/vocpiovia oder loxoqwvia (Aristoteles) hauptsächlich für das Stottern, dagegen blaesitas, rQavXiaf.i6g und TQavXonjg, ipiXXio/nog und 'rpeXX6i'}]g mehr für das Stammeln und besondere Arten des Stammeins angewendet zu haben (Schulthess). Die zur Silbenbildung unerlässlichen articulatori- schen Bedingungen sind nach Merkel folgende: 1) Hinreichender Vorrath an Luft und gehörige Span- nung der exspiratorischen Luftsäule in der Luftröhre und im Ansatzrohre bis an die Articulationsstelle; ohne diese Spannung kann die Einengung oder Unterbrechung des Aus- flusses der tönenden Luftsäule, womit die Articulation der Silbe be- ginnt, nicht mit gehörigem Nachdruck in den tönenden Vocalstrom tibergehen oder zurückkehren. 2) Unterordnung der consonantischen Muskelaction unter die vocaliscbe, die stets die Oberhand behalten muss. Dies ist nur möglich, wenn die Spannung der Luftröhre bis zu Be- ginn der neuen Inspiration eine annähernd gleich grosse bleibt. Der Athmungs-Muskelapparat muss während der ganzen Exspirationszeit in gleicher Spannung sich befinden, die während des Sprechens 1) Beitrag zur Theorie und Heilung des Stotterübels. Wien. med. Wochen- Bchrift 1861. Nr. 35—38. 2) Etudes sur la parole et ses defauts, et en particulier du begaiement. Paris 1862. p. 150 sqq. 3) Du begaiement. Paris 1867. 4) Henle und Pfeufer's Zeitschr. f. rat. Med. Bd. 31. S. 1. 5) Anomalien der Sprache. In B. Kraus' Compendium der neueren med. Wissenschaften. Wien 1875. S. 397. 6) Beitrag zur Lehre des Stotterübels. Allgem. Wiener med. Zeitung 1875. Nr. 26—31.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21215613_0244.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


