Volume 1
Lehrbuch der Anatomie des Menschen / von August Rauber.
- August Rauber
- Date:
- 1892-1894
Licence: Public Domain Mark
Credit: Lehrbuch der Anatomie des Menschen / von August Rauber. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![kleiner sind. Er erweitert sich abwärts stärker beim Manne und setzt sicli schärfer vom Bauche ab, während beim Weibe die Grenze durch eine all- gemeine Wölbung verdeckt ist. Auf der vorderen Brustwand treten beim Manne die Wülste der grossen Brustmuskeln kräftig hervor, während beim Weibe diese Muskeln schwächer sind und durch die halbkugeligen Erhaben- heiten der beiden Brüste verdeckt werden. Durch letztere wird die Median- furche der Brustwand zum Busen, Sinus mammarum, vertieft. Beim Manne sind die Brust- oder Milchdrüsen rudimentäre und regressive Gebilde geworden. Seine ebenfalls rudimentäre Brustwarze steht etwas höher an der Brustwand als beim Weibe. Die geraden Muskeln des Bauches bilden beim Weibe in der Kegel keine äusserlich sichtbaren Hervorragungen; die Mittelfurche des Bauches verstreicht. Dagegen erhebt sich die ganze vordere Bauchwand stärker und rundet sich namentlich unten gegen den vollständiger entwickelten Schamberg. Oft grenzt eine oben konkave Eurche den Schamberg von der Bauchwölbung ab. Der Nabel steht beim Weibe höher als beim Manne, bei welchem er die Höhe der Hüftbeinkämme erreicht. Das Becken ist beim Weibe breiter und niedriger, beim Manne schmäler und höher. Bei ihm ist die Leistenfurche stärker ausgeprägt. Infolge der Breite der Schulter und der Schmalheit der Hüften läuft der Rumpf des Mannes bei geschlossenen Beinen unten keilförmig zu, während die Schmalheit der Schultern und Breite der Hüften eine mehr cylindrische Eorm des weiblichen Rumpfes bedingt oder selbst die Schneide des Keils nach oben verlegt. Arme und Beine zeigen beim Manne scharfe Muskelzüge und eckige Eormen; alle entsprechenden Teile des Weibes sind abgerundeter. Dies gilt insbesondere auch für das Knie. Auch die Haltung des Weibes ist in der Regel von der des Mannes ab- weichend. Die Haltung des ersteren ist mehr vorgebeugt, während der Stamm des Mannes mehr gerade, selbst leicht zurückgebeugt getragen wird. Die Beinstellung des Weibes ist infolge dieser Haltung eine steilere. Bei aufrechter Haltung des Mannes sind dagegen die Beinachsen so gestellt, dass sie mit ihrem oberen Ende mehr nach vorn abweichen. Der Hals des Schenkelbeins ist an dem Schaft mehr rechtwinkelig, beim Manne spitzwinkelig angefügt. Die grossen Rollhügel aber wenden sich bei letzterem stärker nach hinten. Was nun die Erklärung der sekundären Geschlechtsmerkmale betrifft, so liefert die vergleichende Anatomie den überzeugenden Nachweis, dass die- selben als Nützlichkeitseinrichtungen aufgefasst werden müssen, bei welchen auch die Arbeitsteilung wieder eine Rolle spielt. Grundsätze der Nützhchkeit bedingen die Verschiedenheit der weiblichen und männlichen Beschaffenheit des Soma, d. i. des Individuum, welchem die primären Geschlechtsmerkmale, die Keimdrüsen, genommen sind. Sekundäre Geschlechtscharaktere sind nicht überall vorhanden. Das Männchen kann in Bezug auf das Soma dem Weibchen gleich sein. In anderen Fällen sind mehr oder weniger auffallende Verschiedenheiten zwischen dem männlichen und weiblichen Soma vorhanden. So kann das Männchen mit besonderen Werkzeugen zum Festhalten des Weibchens aus- gestattet sein (Wasserkäfer), oder es sind Schmuckorgane, Waffen, bedeutendere Grösse bei dem Männchen vorhanden. Aber auch das Weibchen kann grösser sein (Raubvögel, Gliederwürmer [Bonellia], Rundwürmer, viele Schmarotzer- 10*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20414742_001_0163.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)