Lehrbuch der plastischen Anatomie für academische Anstalten und zum Selbstunterricht / herausgegeben von Prof. Dr. E. Harless.
- Date:
- 1856-1858
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Credit: Lehrbuch der plastischen Anatomie für academische Anstalten und zum Selbstunterricht / herausgegeben von Prof. Dr. E. Harless. Source: Wellcome Collection.
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![und ihrer Theile erkennbar und kein Zweifel über absiehtliehe Ab- weichung oder unberechnete Nachlässigkeit und Unkenntniss auf- kommen kann. lieber die Aufgabe, welche ich mir bei meinen Vorträgen und in vorliegendem Lehrbuch gestellt habe, lege ich in dem „Stand- punkt“ Rechenschaft ab. Dass es bei einer Ableitung der Formen aus ihren organischen Gesetzen nicht bei einer blossen Beschreibung jener bleiben, konnte, ist einleuchtend. Dass eine Form oder Linie, deren Ursachen man erkannt hat, schärfer und fester sich dem Gedächtniss ein- })rägt, als ausser dem, bedarf ebensowenig einer Betonung. Dass endlich zu diesem Verständniss eine bald grössere, bald kleinere ]\[enge von Voraussetzungen aus verschiedenen Gebieten der Naturfor- schung gehört, liegt in der Natur der Sache. Diese zu erörtern oder Avenigstens so weit zu berühren, als sie zu dem Verständniss einer für den Künstler unmittelbar brauchbaren Form oder Linie füh- ren, muss gestattet sein, Avenn ihr nächster Inhalt auch nie unmit- telbarer Gegenstand künstlerischer Darstellung Avird. Alle Lehr- und Ilandbüchcr über „Anatomie für Künstler“, Avelche mir zu Gesicht gekommen sind, beschränken sich thcils auf die Proportionen, thcils auf anatomische Details der Leiche, höch- stens Zergliederungen einzelner Aveniger Stellungen z. B. des Fech- ters etc. ]\Iir Avar cs darum - zu thun, neben dem Gegebenen der sichtbaren Form, so Aveit cs unsere 'Wissenschaft gestat- tet, einen Blick in das Getriebe der gestaltenden Kräfte th un zu lassen, und die endliche Form als das Resultat ihres Wirkens klar zu machen. Bei der VerAvicklung der dabei zusammentreffenden Ursachen kann man in dem Buche keine Untcrhaltunffs-Lccture suchen. Es setzt einen gCAvissen Grad Avisscnschaftlichen Ernstes \mraus, und ist nichts Aveniger als eine der _ jetzt ]Mode gCAvordcncn populären Schriften, Avenn man sic nicht dessAvegen dazu stempeln Avill, Aveil so \del als möglich alle fremden Bezeichnungen \mrmicdcn, und wo immer die grösste Kürze im Ausdruck und Vermeidung alles von anderen Gesichtspunkten aus vielleicht Interessanten angestrebt wurde.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29000208_0015.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)