Versuche über die Einwirkung des Druckes auf die motorischen und sensiblen Nerven / vorgelegt von Carl Lüderitz.
- Lüderitz, Carl, 1854-
- Date:
- 1880
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Credit: Versuche über die Einwirkung des Druckes auf die motorischen und sensiblen Nerven / vorgelegt von Carl Lüderitz. Source: Wellcome Collection.
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![Nerv oberhalb der Schnürungsstelle freigelegt, giebt bei directer Reizung 0 nihil. Unterhalb der Schnürungstolle ist er gut erregbar. — Die sensible Reizung des Ner- ven neben der Achillessohne ergiebt 0 Zuckung 9 h. 12 m. 0nihü 9 h. 15 in. Schnürung entfernt. 9 h. 15 m. 0 nihil. O nj],j] 9 h. 20 m. 0 nihil. 0 Zuckung. Nerv unterhalb der Schnürungsstello vollkommen gut erregbar. Es erübrigt min, die Folgerungen zu besprechen, welche sich aus dem mitgetheilten Versuchsresultat — die motorische Nervenfaser isi gegen Druck weniger widerstandsfähig als die sensible — für Physio- logie und für Pathologie nothwendig ergeben. Sie sind leicht zu er- kennen. Die Lehren der Physiologie anlangend, so kann jenes Resultat, so sehr auch die modernen Physiologen gegen eine derartige Anschauung sich verwahren, dennoch nicht wohl anders als durch eine physiologische Differenz der beiden Arten von Nervenfasern erklärt werden. Alle An- griffe, welche das Axiom von der Gleichartigkeit der Nervenfasern zu erfahren hatte, sind bisher stets siegreich zurückgeschlagen worden, vor- nehmlich hatte die Ueberlegung, dass für das Zustandekommen der äusserst mannigfaltigen nervösen Reizerfolge einfach die Beschaffenheit des Erregungs- oder des Erfolgsorgans massgebend sei, dazu genügt. Doch es ist ersichtlich, dass in unserem Falle diese Ueberlegung nicht ausreicht, und ich wüsste auch nicht, wie anders als durch die Annahme einer physiologischen Differenz der Fasern jenes verschiedene Verhalten gegen Compression erklärt werden sollte1). Andererseits ist jenes Resultat sehr wohl geeignet, die über Läsionen peripherer Nerven bekannten klinischen Thatsachen, die am Anfang dieser Arbeit ausführlicher besprochen sind, wenn nicht zu erklären, so doch in überraschender Weise zu illustriren. Es bleibt hier nämlich der Einwand übrig, dass die vorstehenden Experimente sich wesentlich mit dem Studium des directen Einflusses der Compression beschäftigen, dagegen über die gleich darauf eintretende Restitution der Leitung wenig, über die nach Tagen und Wochen eintretende gar nichts ergeben haben; und der Practiker hat ja so gut wie stets den pathologischen Zustand, wie er nach Stunden und meist erst nach Tagen und Wochen sich darstellt, vor sich. Solchen Betrachtungen ernstlich bis ins Einzelne nachzugehen, ist in- dessen für die vorliegende Frage, wenn auch nicht müssig, so doch sicher von ganz untergeordneter Bedeutung. Denn die Uebcreinstimmung zwischen ') Die physiologische Identität der Fasern bliebe bestehen, wenn man sich vor- stellt, dass die Erregungswelle bei centripetalem Fortschreiten grössere Widerstände als bei centri fugalem zu überwinden vermag, — eine Vorstellung, die jedoch durch nichts gestützt ist und deshalb kaum discutirbar erscheinen dürfte.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21498179_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


