Digitalis purpurea in ihren physiologischen und therapeutischen Wirkungen unter besonderer Berücksichtigung des Digitalin : mit Benutzung der gesammten medicinischen Literatur monographisch dargestellt / von Bernhard Bähr.
- Bähr, Bernhard, 1828-1884.
- Date:
- 1859
Licence: Public Domain Mark
Credit: Digitalis purpurea in ihren physiologischen und therapeutischen Wirkungen unter besonderer Berücksichtigung des Digitalin : mit Benutzung der gesammten medicinischen Literatur monographisch dargestellt / von Bernhard Bähr. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
111/238 (page 99)
![und halte sie für eine wonig zu begründende Fabel, oder noch mehr IVu- eine mangelhafte Auffassung der Digitaliswirkung. Diese hat das Eigentümliche, dass sie lange anhält und eine ganz besondere Dis- position hervorruft, vermöge deren der Organismus auf spätere Gaben leichter und stärker reagirt, als auf die anfänglichen. Diese Eigen- schaft zeichnet die Digitalis vor fast allen Arzneimitteln aus; an diese kann man sich mehr oder minder leicht und rasch gewöhnen, so dass die Wirkung gleicher Dosen eine abnehmend starke wird, während es heim Fingerhute geradezu umgekehrt geht. Zu dieser Eigentümlichkeit kommt die sehr lange Wirkungsdauer der Digitalis hinzu, die, je nach der Individualität und Grösse der Gabe, bis auf 8 und 9 Wochen hinaus verfolgt ist, um es erklärlich zu machen, wodurch die Ansicht der cumulironden Fähigkeit hervor- gerufen und unterhalten ist. Der sprechendste Fall dieser Ansieht ist der von Mklion referirte (s. Ca]). III.). Wie weit hinaus sich die Wir- kung einer einzelnen, kleinen oder mittleren Gabe erstreckt, habe ich während meiner Versuche nicht herausfinden können: keinenfalls er- streckt sie sich über 4 bis 6 Tage. Die Wirkimg der Versuche im Ganzen habe ich aber über vier Wochen lang deutlich genug verspürt. Eine constante Exacerbationszeit habe ich weder hei Anderen, noch au mir seihst gefunden. Der Puls wurde bei mir allerdings gegen Abend gewöhnlich stärker accelerirt, das war aber auch das Einzige. Nach den Beobachtungen Anderer scheint besonders der Morgen am häufigsten Erbrechen zu bringen und die Nacht die deutlichsten Zei- chen grosser Erregung. Das habe ich aber ab und an zu bemerken geglaubt, dass die freie Luft bessernd auf die Beschwerden einwirkte. Als Gegenmittel gegen zu heftige Digitaliswirkung, besonders gegen das Erbrechen, findet man vielfach das Opium empfohlen, doch ist der im 3. Capitel unter 36. angeführte Fall ein schlechter Beleg für solche Empfehlung. Homolle und Quevenne fanden an sich selbst alle möglichen Linderungs- und Gegenmittel völlig wirkungslos, sobald einmal deutliche Intoxiealionserscheinungen vorhanden waren. Haäse und GeySeb rühmen als bestes Mittel die Citronensäüre in Zucker- wasser: Acidum nitricum dilutum, auf dieselbe Weise genommen, nützte nichts. Oh Nux vomica mehr als jene Mittel leiste, entbehrt aller ^tatsächlichen Beweise.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21720101_0111.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)