Klinische Studie über die halbseitige Cerebrallähmung der Kinder / von Sigm. Freud und Oscar Rie.
- Sigmund Freud
- Date:
- 1891
Licence: Public Domain Mark
Credit: Klinische Studie über die halbseitige Cerebrallähmung der Kinder / von Sigm. Freud und Oscar Rie. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University.
180/256 page 154
![stimmter Bahnen wandelt (Sklerose der gekreuzten Kleinhirn- hemisphäre)? Oder kann man die lobäre Sklerose etwa in allen Füllen als einen der secundären Degeneration analogen Process auffassen, der im Grehirn bloss darum sich nach allen Richtungen hin ausbreitet, weil hier die Bahnen von jedem Punkte aus zur möglichst vielseitigen Verbindung weiterführen? Sagen wir es nur gleich, dieselben Fragen, die man sich nach der Kenntnissnahme der Cotard'schen Resultate stellen muss, be- stehen unbeantwortet fort, wenn man die Beiträge der anderen Autoren in Betracht gezogen hat. Es besteht fort die Unsicherheit über die Bedeutung der lobären Sklerose und über den etwaigen Einfluss entzündlicher Momente; fest steht bloss für eine grosse Reihe von Fällen die vasculäre Natur der Initialläsion, ferner die Thatsache, dass dieselbe bei der cerebralen Kinderlähmung keinen constanten Sitz zeigt, und ebensowohl in der Hirnrinde und im darunter befindlichen Mark, als im Innern der Hemisphäre (Ganglien, ja sogar Hirnschenkel [Wallenberg1158]) gefunden werden kann. Die vasculäre Natur der Initialläsion wird von allen Autoren — mit einer einzigen Ausnahme — anerkannt, nur zeigt es sich dabei, dass jeder Beobachter eine Aetiologie bevorzugt, auf welche er die Mehrzahl der nicht aufgeklärten Fälle beziehen möchte. Die entzündliche Natur der Initialläsion wird von Strümpell157) (siehe Abschnitt I) vertreten, der an eine Poliencephalitis, parenchymatöse Erkrankung der motorischen Elemente in der Hirnrinde (analog der Poliomyelitis anterior) glaubt. Abercrombie1) ist der Hauptvertreter der embolischen Theorie, welche die grösste Mehrzahl der Fälle von cerebraler Kinder- lähmung auf Arterienverstopfung zurückführen möchte, und dem- gemäss auch andere Endveränderungen als Plaques jaunes und Zelleninfiltration auf Embolie bezieht. Er erbringt zwei Sections- befunde, welche die Embolie erweisen. Sein erster Fall betrifft ein sechsjähriges Kind, das am 15. Tage einer diphtheritischen Er- krankung von Convulsionen befallen wurde, welche sich am nächsten Tage wiederholten und eine linksseitige Hemiplegie zurückliessen. Tod 11 Tage später. Die rechte Arteria cerebri media war durch einen adhärenten Thrombus verstopft, Infarcte in der Milz und Nieren. Die Quelle des Embolus wurde nicht ge- funden. Abercrombie meint, wie in diesem so seien auch in allen anderen Fällen, wo die Aetiologie auf eine Infectionskrankheit hin- weist, Embolien die Ursache der Hirnerkrankung. Eine zweite Section bezieht sich auf ein hereditär syphili- tisches Kind, welches im Alter von 6 Jahren plötzlich eine rechts- seitige Lähmung acquirirte. Die Autopsie, 4 Jahre später, ergab Atrophie der linken Hemisphäre, Sklerose der Windungen, beson- ders der vorderen Centralwindung und der Stirnwindungen, Ver- dickung und Anwachsung der Meningen, einen alten Thrombus im](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21024091_0180.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


