Klinische Studie über die halbseitige Cerebrallähmung der Kinder / von Sigm. Freud und Oscar Rie.
- Sigmund Freud
- Date:
- 1891
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Credit: Klinische Studie über die halbseitige Cerebrallähmung der Kinder / von Sigm. Freud und Oscar Rie. Source: Wellcome Collection.
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![bündeis für dieselben erwiesen. Die gesammte Geschichte dieser Fragen sowie eine kritische Darlegung der bei diesen Arbeiten gewonnenen Ergebnisse ist in einer sehr sehätzensWertteil Arbeit von Greidenberg, Archiv für Psychiatrie, XVII, 1886, enthalten. Mit der Einbeziehung der posthemiplegischen Bewegungs- störungen war das Bild der cerebralen Kinderlähmung voll- ständig geworden. Eine Genfer Inauguraldissertation von Gaudard („Contribution ä Tetude de l'hemiplegie cerebrale infantile 1884) bemüht sich, dieses Bild in seiner Gesammtheit zu schildern. In demselben Jahre 1884 wurde der bereits angedeutete Versuch gemacht, aus der „cerebralen Kinderlähmung eine kli- nische wie pathologisch-anatomische Einheit zu gestalten. Ein Vortrag Strümpells („Ueber die acute Encephalitis der Kinder [Poliencephalitis acuta, cerebrale Kinderlähmung]), in der Naturforscherversammlung zu Magdeburg gehalten, abgedruckt in dem „Jahrbuch für Kinderheilkunde, XXII, 1885, constatirte zu- nächst, dass ein so häufiges Krankheitsbild so wenig Aufmerksam- keit auf sich gezogen und literarisch so wenig Berücksichtigung gefunden habe. Er erinnerte sodann an die acute Poliomyelitis der Kinder, die zweifelsohne in einem echt entzündlichen Processe der grauen Substanz bestehe, und behauptete, dass die acute Encephalitis der Kinder jener in fast allen Einzelheiten ihres Ver- laufes gleiche, natürlich mit den Abweichungen, welche durch die verschiedene Localisation des Krankheitsprocesses bedingt sein müssen. Auch die acute Encephalitis trete bei bis dahin gesunden Kindern auf, und zwar im Alter bis zu drei Jahren; eine beson- dere Ursache könne fast niemals mit Sicherheit nachgewiesen werden, Trauma und Infectionskrankheiten fänden sich zwar in der Anam- nese vor, deren Beziehung zur Erkrankung müsse aber dahinge- stellt bleiben. Die Erkrankung beginne plötzlich mit Fieber. Er- brechen und Convulsionen, Initialerscheinungen, die nur sehr selten fehlen. Die Dauer dieses Stadiums könne bis zu mehreren Wochen, selbst Monaten betragen, die Convulsionen darin sich wiederholen u. s. w. Im Weiteren zeichnet Strümpell sehr scharf und zutreffend die klinischen Eigentümlichkeiten des abgeschlossenen Krankheits- falles, die Ausbreitung der Lähmung, die posthemiplegischen Rei- zungserscheinungen, die Epilepsie, Aphasie und Intelligenzstörung. Erst zum Schluss erbringt er eine Begründung für den Namen Poliencephalitis acuta und für die Gleichstellung mit der Polio- myelitis. Wie bei letzterer die graue motorische Substanz der Vorderhörner, so sei bei ersterer die graue motorische Rinde der Centralwindungen der Sitz der Erkrankung. Man fände nämlich in allen hieher gehörigen Fällen porencephalische Defecte, echte Narben entzündlichen Ursprunges im motorischen Rindengebiete. Er neige zu der Ansicht, dass beide Krankheiten ihrem Wesen nach identisch seien, auf verschiedener Localisation desselben viel- leicht infectiösen Agens beruhen. Doch müsse natürlich im Auge](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21024091_0019.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


