Klinische Studie über die halbseitige Cerebrallähmung der Kinder / von Sigm. Freud und Oscar Rie.
- Sigmund Freud
- Date:
- 1891
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Credit: Klinische Studie über die halbseitige Cerebrallähmung der Kinder / von Sigm. Freud und Oscar Rie. Source: Wellcome Collection.
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![die motorische Zone erreicht und in ihr intensiv geworden ist, kommt es später zur Lähmung, und zwar entweder allmälig [Salgö1V)] oder mit einem Schlage. Wir sehen also in solchen Fällen mir umgekehrter Folge der beiden Symptome einen Beweis dafür, dass der Process der cerebralen Kinderlähmung nicht bloss der Inten- sität nach zunimmt, wie Jendrassik und Marie angenommen haben, sondern dass er auch räumliche Progression zeigt. Zum Beweise dieser Annahme ist ein Fall von Salgö sehr willkommen: Salgö zeigte das Gehirneines 19jährigen Mannes, der seit frühe- ster Kindheit epileptisch war, und bei dem sich in den letzten Jahren eine immer mehr zunehmende linksseitige Lähmung entwickelt hatte. Die rechte Hemisphäre wog kaum die Hälfte der linken, die gyri waren papierdünn. Die Veränderungen waren aber in den Centralwindungen am geringsten, im Occipitallappen am stärksten entwickelt. Es ist nicht zu bezweifeln, dass in diesem Falle die Sklerose die Centralwindungen zuletzt befallen hat, nachdem sie in anderen Gebieten bereits weit gediehen war. Diesem Verlaufe des anato- mischen Processes entsprach klinisch, dass seit Jahren Epilepsie bestand und erst viel später Lähmung dazutrat. Dem Falle von Salgö reihte sich in gewisser Hinsicht ein anderer von Munro Smith180) an, bei welchem zwar die Läsion der motorischen Region die stärkste war, aber die sehr unvollständige Lähmung doch zeitlich wie der Intensität nach gegen die Epilepsie zurücktrat Der Kranke, welcher im 51. Lebensjahre an den Folgen einer Verbrennung während eines epileptischen Anfalles starb, hatte sich normal entwickelt bis zu seinem achten Jahre, um welche Zeit schwere Anfälle von Convulsionen und Bewusstlosigkeit sich bei ihm einstellten. Erst am's zwölfte Jahr entwickelte sich Klump- fussst.ellung des linken Fasses und allmälig gesteigerte Contractur der Beuger des Vorderarmes und der Hand, die anderen Muskeln blieben functionstüchtig. Der geistige Zustand des Kranken war ein recht ungünstiger, die epileptischen Anfälle kamen während der letzten zwanzig Jahre des Kranken regelmässig einmal täglich und zeigten niemals halbseitigen Charakter. Bei der Section fand sich ein porencephalischer Sack an der Stelle der unteren zwei Drittel der beiden Centralwindungen nebst Atrophie einiger anliegenden Windungen. Smith sucht sich die geringe Functionsstörung dieses Falles durch den ausserordentlich langsamen Fortschritt der Ver- änderung zu erklären. 3. Es kann vorkommen, dass ein Fall zeitlebens nur Epi- lepsie zeigt, nach seinem Tode aber eine Läsion erkennen lässt, die einer Läsion bei cerebraler Kinderlähmung völlig gleich- kommt und sich von ihr nur durch die Localisation in einer stummen Gehirnregion unterscheidet. Ein solcher Fall unter- scheidet sich von einem unter zwei angeführten nur dadurch, dass in ihm die Ausbreitung des Processes von der latenten auf die motorische Zone nicht stattgefunden hat, oder in nicht genügend](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21024091_0200.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


