Klinische Studie über die halbseitige Cerebrallähmung der Kinder / von Sigm. Freud und Oscar Rie.
- Sigmund Freud
- Date:
- 1891
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Credit: Klinische Studie über die halbseitige Cerebrallähmung der Kinder / von Sigm. Freud und Oscar Rie. Source: Wellcome Collection.
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![geschickte nichts erwähnt ist, da wolle man annehmen, (lass nichts dergleichen zu beobachten war, nicht etwa, dass wir versäumt haben, darauf zu achten. Unsere Beobachtungen sind im Uebrigen ungleickwerthig, sie betreffen einerseits Fälle, die wir nur wenige Male gesehen, andererseits solche, die wir durch lange Zeiträume verfolgen konnten. Ein besonderes Gewicht fiel bei unseren Auf- nahmen auf die Anamnese, dennoch konnte dieselbe in einer gewissen Zahl von Fällen nicht befriedigend aufgeklärt werden. Einige Momente, wie Schädelmessungen, haben wir wissentlich ver- nachlässigt, bei anderen müssen wir die Unvollständigkeit unserer Ergebnisse einstlich bedauern. Das gilt z. B. für die Erforschung der hereditären Verhältnisse unserer Kinder, über die wir fast niemals Auskunft erhalten konnten. Aber das ist ein Mangel, der bei ambulatorischem Material aus den ärmsten Classen der Be- völkerung unvermeidlich erscheint. Die Anordnung, in welcher wir die folgenden 35 Kranken- geschichten wiedergeben, ist zunächst keine endgiltig gerecht- fertigte. Sie beruht indes auf einer Thatsache, welche sich schon bei flüchtiger Durchsicht der Tabellen als auffällig herausstellt. In einer Gruppe von Fällen ist der Beginn der Krankheit ein acuter, der Anstieg der Erscheinungen rapid und das Krankheits- bild nimmt von da ab einen regressiven Charakter an; in einer kleineren Anzahl von Fällen ist der Beginn unmerklich, der An- stieg der Erscheinungen ein langsamer und infolge dessen erscheint der Krankheitszustand als ein progressiver. Wir haben dieses eine Verhältniss herausgegriffen, weil es constante und wichtige Beziehungen zu allen anderen Symptomen des Krank- heitsbildes zeigt. In den Fällen ersterer Art, mit acutem Beginn und regressivem Charakter, überwiegen die Lähmungen, Contrac- turen und die Complicationen der Hemiplegie wie Aphasie, Epi- lepsie u. a., es treten die posthemiplegischen Bewegungsstörungen weit zurück. Bei den Fällen mit langsamer Entwicklung und progressivem Charakter dagegen sind Lähmung und Contracturen sowie die das Krankheitsbild beschwerenden Symptome, die wir in den Tabellen als Complicationen anführen, geringfügig, und die posthemiplegische Bewegungsstörung, die wir als „Spontan- bewegung bezeichnen, steht im Vordergrund. Dieser merk- würdigen Thatsache tragen wir in der vorläufigen Anordnung unserer Fälle Rechnung, indem wir dieselbe folgendermassen gestalten: A. Fälle mit unmerklichem Beginne und langsamem Anstieg (primäre Athetose) [Oulmont] (choreatische cerebrale Parese nobis). B. Fälle mit acutem Beginn und raschem Anstieg, auf den ein regressiver Verlauf folgt (spastische cerebrale Parese nobis). In letzterer Gruppe machen wir mehrere Unterabtheilungen: a) Typische Fälle (mit kurzer Initialerkrankung), b) Fälle mit längerer InitialerkrankuDg.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21024091_0024.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


