Klinische Studie über die halbseitige Cerebrallähmung der Kinder / von Sigm. Freud und Oscar Rie.
- Sigmund Freud
- Date:
- 1891
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Credit: Klinische Studie über die halbseitige Cerebrallähmung der Kinder / von Sigm. Freud und Oscar Rie. Source: Wellcome Collection.
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![Ausserdem stellen wir vorläufig zusammen: c) Frisch (in recentem Stadium) beobachtete Fälle, und d) vereinzelte Fälle, unter welche die Uebergangsformen aufgenommen sind. A. Fälle mit unmerklichem Beginne und langsamem Anstieg (primäre Athetose [Oulmont.]) I. Paula Venus. 4% Jahre. Vor drei Monaten soll das Kind über die Stiege gefallen, dabei sehr erschrocken sein, sich aber nicht beschädigt haben. Es ist seither schreckhaft, hat nie- mals an Fraisen gelitten. Erst seit drei oder vier Wochen bemerkt die Mutter, dass das linke Bein beim Gehen nachgeschleift werde, noch später soll das „Zittern des linken Armes eingetreten sein. Status praesens. Schönes, wohlgenährtes Kind von wenig lebhaftem Wesen. Innere Organe normal. Pupillen mittelweit, gleich, von guter Reaction. Im Gesichte zeigt sich keine Assym- metrie, die Zunge weicht beim Vorstrecken einigemale nach rechts ab. Der linke Arm zeigt keine Atrophie, nur geringe Spannung in seinen Gelenken, es sind alle Bewegungen im Schulter- und Ellbogengelenk möglich, doch erfolgen sie ungeschickter und meist stossweise. Aufgefordert, einzelne Hand- und Fingerbewe- gungen auszuführen, producirt das Kind sehr mannigfache Bewe- gungen oft von grossem Umfang, welche alle den Charakter des Uebermässigen, Gewaltsamen, Spastisch-Ataktischen haben und meist der angeordneten Bewegungsform nicht entsprechen. Starke Pronation der Hand und excessive Fingerspreizung sind dabei besonders auffällig. Die Bewegungen der rechten Hand sind geschickt und gemässigt. Wenn das Kind ohne Bewegungsinten- tion dasitzt, hält der Arm nicht völlige Ruhe, sondern führt lang- same, stossende und drehende Bewegungen im Handgelenk bei meist eingeschlagenen Fingern aus. (Athetose.) Das linke Bein ist nicht atrophisch, nicht kühler als das rechte. Zehenbewegungen und Dorsalflexion des Fusses können aus- geführt werden, sind aber schwächer als rechts. Beim Gehen wird dieses Bein mit einem Uebermass von Beugung im Knie aufge- setzt, der Gang ist daher etwas stampfend. Die grosse Zehe zeigt auch in der Ruhe gelegentlich Spontanbewegung. Der Biceps- und Tricepsreflex ist links lebhafter als rechts, der Patellarreflex links erheblich gesteigert, Fussphänomen fehlt. Klagen über zeitweises Einschlafen der Hände und Füsse. Nadel- stiche werden auf beiden Seiten anscheinend gleich empfunden. Verlauf. Wir sehen das Kind nach V/n Jahren wieder. Sein Zustand soll sich stetig verschlimmert haben. In der That sind die Spontanbewegungen des linken Armes ausserordentlich viel hef- tiger geworden; derselbe ist, wenn er nicht aufgestützt oder mit der anderen Hand gehalten wird, in beständiger schwingender und schlagender Bewegung, die Greifbewegangen der linken Hand sind](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21024091_0025.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


