Naturgeschichte der seele und ihres bewusstwerdens : mnemistische biopsychologie / von dr. Eugen Bleuler.
- Eugen Bleuler
- Date:
- 1932
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Credit: Naturgeschichte der seele und ihres bewusstwerdens : mnemistische biopsychologie / von dr. Eugen Bleuler. Source: Wellcome Collection.
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![„sinnlose Häufigkeit der Eindrücke“ ankommen (410), sie sollen eine rein summative Mannigfaltigkeit von verschiedenen Elementen zum Aufbau und Verständnis des Seelischen geben; sie sollen ,,cin blindes sinnloses Aneinandergeraten und Aneinanderhaftenbleiben im Sinne beliebiger zu¬ fälliger Existenzialverbindungen darstellen, nicht nach der sachlichen inneren Gefordertheit des seelischen Geschcns“ ablaufen (409/10). Hat wirklich jemals ein Identist einen solchen Unsinn gesagt? Die Assoziationen sollen ,,eindimensionale” Vorgänge sein, während sie in unseren Vorstel¬ lungen der Ausfluß einer äußerst komplizierten Hierarchie von aus Vor¬ stellungen und Trieben zusammengesetzten Ganzheiten sind, und ihr Inhalt selbst auch (‘in Gebilde von unübersehbarer Komplikation darstellt. So wolle „der Psychiater im allgemeinen nicht einsehen, daß .... die Richtlinien, nach denen sich für den menschlichen Geist die Mannig¬ faltigkeit der sinnlichen Eindrücke allmählich scheidet und gliedert, nicht an sich, durch die bloße Natur eben dieser Eindrücke selbst, gegeben und vorgeschrieben sind, sondern daß es die Eigentümlichkeit des Sehens, die Besonderheit des geistigen Blickpunktes ist, wodurch sich die Gestalt der Welt, als eines zugleich physischen und geistigen Kosmos, erst bestimmt“ (nach Cassierer, 413). Ich bin Psychiater und habe nie anders gedacht, als hier Cassierer und Binswanger, so gut wie man die von Binswanger angeführten Ideen Poppelreuters auch bei mir finden wird.1. Emp¬ findungen sind auch für mich als psychische Gebilde weder zur inneren Wahrnehmung noch sonst zu einer Wirkung kommende bloße Abstrak¬ tionen. Daß kein sinnvoller Gedankengang „ohne determinierende Ten¬ denzen“ entsteht, ist doch wohl bei mir auch deutlich gesagt. Und die determinierenden Tendenzen habe ich herausgehoben unter dem Namen einer „Hierarchie leitender Vorstellungen und Triebe“, d. h. von Ganz¬ heiten unübersehbar vieler Ordnungen. Aber der unausgesprochene Gegensatz gegenüber meiner Auffassung ist offenbar der, daß bei mir diese Tendenzen ein Produkt einer in elementare Triebe und noopsychische Assoziationskomplexe gegliederten Ganzheit sind, während die Gegner immer durchblicken lassen, daß da noch etwas besonderes, höheres, „die“ Psyche, dirigiere. Ich kann mir anders nicht denken, daß man mich so gar falsch verstehen konnte. Auch die „Trennung von Inhalt und Funktion“ ist bei mir als selbstverständlich durchgeführt. Vielleicht könnte es dazu beitragen, daß endlich das Konfundieren meiner Anschauungen mit „der Assoziationspsychologie“ ein Ende nimmt, wenn ich für den Fall, daß dieselben einen eigenen Namen verdienen, den der mnemistischen Biopsychologie vorschlage. Dabei könnte man da, wo aus dem Zusammenhang hervorgeht, was gemeint ist, entweder das „mnemistisch“ oder das „Bio-“ weglassen. 1 Anmerkung bei der Korrektur. Die von Binswanger angeführte lichtvolle Arbeit Poi’i'Ei.Reuters [Mschr. Psyehiatr. ;52, 278 (1015)] habe ich leider bei der damaligen Arbeits¬ überhäufung nur flüchtig angesehen, nachdem ich konstatiert hatte, daß sie mir nichts prinzipiell neues bringe. Jetzt habe ich sie gelesen und mußte zu der Einsicht kommen, daß ich wirklich eine Menge höchst naiver Vorstellungen zuerst hätte bekämpfen und mich ihnen ausdrücklich hatte gogenüberst eilen sollen, ehe ich von Assoziationen in meiner Auffassung reden durfte. Ich begreife nun die auf die Assoziationen bezüglichen Mißverständnisse der Kritiker besser.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2981411x_0024.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)