Naturgeschichte der seele und ihres bewusstwerdens : mnemistische biopsychologie / von dr. Eugen Bleuler.
- Eugen Bleuler
- Date:
- 1932
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Credit: Naturgeschichte der seele und ihres bewusstwerdens : mnemistische biopsychologie / von dr. Eugen Bleuler. Source: Wellcome Collection.
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![Psychische' Energie. .Mutter selbst: die1 Aktion w ird offenliar vom Xeuldrn (den Engi'animcn) aus zuerst bloß eingeleitet oder ausgelöst, so da 15 der altere Apparat in Bewegung gesetzt wird und ihm die Einzelheiten der Ausführung über¬ lassen bleiben. Später übernimmt die Binde infolge ihrer besseren An¬ passungsfähigkeit an die momentanen Verhältnisse und ihrer Fähigkeit, die* Aktionen in der Tiefe zu hemmen, die direkten1 Leitung. Fs bilden sieh in ihr Bewegungsformeln aus. Fs können nun durch die Vorstellung der Mutterbrust, des Saugemvollens, des Hungers, des Vergnügens am Trinken die Saugbewegungen und schließlich auch die einleitenden Bewegungen, das Aufsuchen der Brust, das Schreien, das die Mutter herbeiruft, aus¬ gelöst werden. Inwiefern die Instinkte, zu sitzen, zu stehen, zu gehen, in die Hirnrinde hinaufgewandert sind, wissen wir noch nicht. Jedenfalls geht der erwachsene Mensch im wesentlichen mit dem Neuhirn, wenn auch die untern (’entren mitbenutzt werden mögen (bei Unterbrechung der Pvramidenbahneu auch oberhalb der Basalganglien wird das (leben bis zur Unmöglichkeit gestört). Alle die genannten und ähnliche Tätigkeiten haben etwas Triebartiges; das Kind lernt nicht gehen, w ie es in der Schule lesen oder schreiben lernt, sondern in einem bestimmten Zeitpunkt fängt es an, Gehülmngen zu machen und kommt dann unter normalen Umständen auch bald zum Ziele, während frühere Antriebe von außen erfolglos waren. Sogar mit dem phylogenetisch viel jüngeren und komplizierteren Sprechen verhält es sich ähnlich. Schon mit (>- 7 W ochen gibt das Kind auf Töne Antwort. Später übt es sich triebartig mit einer Menge von selbst fabrizierten Lauten, um schließlich durch Nachahmen der Töne und W orte anderer zum Sprechen zu kommen. Für nicht vorgebildete Bewegungen schafft sich der Säugling allmählich die kortikalen Bewegungsformeln durch allerlei tastende Übungen, die er beständig betreibt. Psychische Energie. Trieb und Dynamik führen zu dem Begriff der „psychischen Energie, nicht im elementaren Sinne der Stärke des Psyehokyms als eines nervösen Vorganges, sondern einer Energie der ganzen Psyche. Viele stellen sich vor, daß sie im gewissen Sinne eine konstante Größe sei. so daß z. B. die Verteilung derselben auf zwei Wahrnehmungen oder zwei Beschäftigungen jeder dieser Funktionen nur einen Teil zukommen lassen, während beide Teile zusammen wieder die ganze psychische Energie ausmachen. Da die Psyche aus mancherlei früher angedeuteten Gründen als eine Einheit funktioniert, und das bewußte Ich sich unter gewöhnlichen Umständen nur mit einem Gegenstand beschäftigen kann, ist es selbstverständlich, daß eine solche Gleichzeitigkeit zweier Funktionen unter Umständen eine Störung bringen muß1. Wir können nun die psychische Energie nicht messen; aber die Anhaltspunkte, die wir zu ihrer Schätzung haben, lassen uns doch vermuten, daß der Aufwand an psychischer Energie beim näm¬ lichen Menschen sehr stark wechselt. W ir haben das Gefühl, sehr wenig 1 Erscheint eine Fläche weniger hell, wenn eine zweite gleichwertige neben sie gelegt wild, so ist «las nicht, wie behauptet wird. Folge der Verteilung der psychischen Energie auf die beiden Wahrnehmungen. Die Erscheinung wird zu den Kontrastfunktionen gehören; ]<*gt man eine schwarze Fläche neben die helle, so wird diese noch heller gesehen, und psychisch ist schwarz eine Funktion genau wie hell, mußte also ebensogut zur Verteilung der Energie führen — wenn nicht überhaupt schon vorher «las Gesichtsfeld ausgefüllt ge¬ wesen wäre!](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2981411x_0249.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)