Naturgeschichte der seele und ihres bewusstwerdens : mnemistische biopsychologie / von dr. Eugen Bleuler.
- Eugen Bleuler
- Date:
- 1932
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Credit: Naturgeschichte der seele und ihres bewusstwerdens : mnemistische biopsychologie / von dr. Eugen Bleuler. Source: Wellcome Collection.
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![I )i(> stärkste Schalt kratt haben unsere Streitungen und unsere Stellung¬ nahmen zu den Erlebnissen, die Affekte. W ir konnten deshalb schon oben nicht von den allgemeinen Schaltungen sprechen, ohne wenigstens die Strebungen zu erwähnen. W enn ich an Cäsar denke und „Rom“ assoziiere, so werden nur wenige Schaltungen bemerkbar beeinflußt, und tausend Ablenkungen können die Verbindungen anders stellen. Ein Vorstellung aber von der Bedrohung meiner Existenz stellt alle Verbindungen des ganzen Gehirns bis hinunter zu den Vasomotoren und den Lenkern der Sekretionen unwiderstehlich so, daß mein ganzes Denken und Fühlen und alle meine Energie nur auf diese Vorstellung und das damit zusammen¬ hängend«' Handeln konzentriert bleibt. Durch die Schaltkraft, die die Affekte, die Strebungen aufeinander selbst ausüben, wird in erster Linie die Einheit des Ich begründet (vgl. Ab¬ schnitt über die Einheit des Bewußtseins); ohne sie wären wir ein Kon¬ glomerat von Strebungen, die einander hindern würden, und auf dem Gebiete der Vorstellungen wären wir nichts imstande hervorzubringen als ein Chaos von Engrammen früherer Sinnesempfindungen, die sich ohne Hegel mischen und folgen würden. Es könnte nicht einmal zu einer Vor¬ stellung. geschweige zum Denken, kommen. Auch die Schaltung wird vom Gedächtnis fixiert. Wir können von Schaltungsengrammen sprechen, möchten aber davor warnen, sich da¬ runter etwas Eigenartiges vorzustellen. Es handelt sich sicherlich nur um eine andere Seite des nämlichen Vorganges wie bei der Engraphie von dem, was wir Inhalt von Psychismen (Wahrnehmungen, Vorstellungen) nennen. Ist eine Vorstellung aktuell, wird sie gedacht, so beeinflußt sie alle Schaltungen so, daß die mit ihr verwandten gebahnt, also wirklich geöffnet oder doch leichter geöffnet werden als sonst, während alle nicht dazu¬ gehörigen, und besonders nachdrücklich diejenigen, die Gegenstrebungen entsprechen, gehemmt, gesperrt werden. Da zu gleicher Zeit in unserem Gehirn eine Menge Vorstellungen, meist in geordnete] Hierarchie als Zielvorstellungen (siehe Abschnitt Denken), lebendig sind, bestimmt die Resultante aller dieser Sehaltkräfte den Gbergang von einer Vorstellung zur andern, die Assoziation, das Denken. Die Beobachtung zeigt, daß das nur ein Spezialfall einer allgemeinen Eigenschaft vitaler Funktionen ist: Jede Funktion wirkt über die Schal- tungen auf alle gleichsinnigen andern bahnend, auf die entgegengesetzt gerichteten oder irgendwie mit ihr in Konkurrenz tretenden im Sinne der Absperrung oder der Hemmung. Da zu gleicher Zeit viele Tendenzen aktuell sind, resultiert daraus ein recht kompliziertes Spiel. Diese Vor¬ stellung bekommen w ir in gleicher \\ «'ist' von der Betrachtung der Physio¬ logie des ZNSs wie in der Psychologie. Wenn Ranschbubc! berichtet, wie ähnliche Psychismen einander stören, unähnliche aber nicht, so ist das auch richtig, zeigt aber nur, w ie vorsichtig man in diesen Dingen die Ausdrücke wählen sollte wenn es nur immer möglich wäre, ganz passende zu linden. Dadurch, daß das Ähnliche sieh besonders leicht assoziiert, setzt es sich manchmal auch da durch, oder wirkt wenigstens eine Tendenz sich durchzusetzen mit, wo es nach der allgemeinen Konstellation, nach dem Denkziel, nicht auttreten sollte. So stillet es leicht Verwirrung (vgl. Abschnitt Assoziationen), während Iremde I »in DJ*, die einander nichts angehen. die Assoziationsschaltungern so stellen, daß sie ohne Berührung nebeneinander ablaulen. Wir gehen und richten unsere Schritt** nach den optischen und akustischen Kindrücken und nach der früher vorgenonunenen Wahl des Zieles, können dabei aber sehr gut über irgendein Problem nachdenkcn.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2981411x_0258.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)